Verbrennung Molays Deutscher Tempelherren-Orden

GEDENKEN AN JACQUES DE MOLAY – PERSPEKTIVEN FÜR DIE GEGENWART

OMCT Wappen Komturei OD-SD neu QOMCT Wappen Berlin-Brandenburg neuAnlässlich des Todestages von Jacques de Molay machte sich eine kleine Abordnung des Ordenshauses Berlin-Brandenburg und der Komturei Oberderdingen-Süddeutschland, die auch Gäste dabei hatte, nach Paris auf den Weg. In Gedanken waren beide Ordensgruppierungen miteinander verbunden, weil sie im gemeinsamen Anliegen, aber zeitlich getrennt, dem letzten Ordensmeister und allen bei der gewaltsamen Vernichtung des Ordens getöteten Tempelritter gedachten.

Gedenktafel Molay ParisDie Reise in die Geschichte unseres Ursprungsorden ist mehr als eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten, denn unser Orden hat nach der Ordensverfassung den Anspruch, die Ideale des alten Ordens zeitgemäß fortzuführen.

Großmeister de Molay TodDie Erinnerung an den gewaltsamen Tod hat auch einen Anspruch in die Gegenwart hinein: In der heutigen Zeit wird der Tod immer mehr aus der Erfahrungswelt der Menschen gedrängt und findet abgeschirmt hinter den Mauern der Krankenhäuser, Altenheim und Beerdigungsinstitute statt. Durch das stille Gedenken am Ort der öffentlichen Verbrennung von Ordensmeister Jacques de Molay und dem Präceptor der Normandy Geoffroy de Charnay – das sich immer wieder persönlich erleben lässt – oder durch das gemeinsame Gedenken der Templerorden an diesem Ort wird der Tod aus den Geschichtsbücher herausgeholt und ins öffentliche Bewusstsein gebracht.

Johannes XXIIIIm gemeinsamen Gedenken und Gebet wird das deutlich, was Johannes XXIII. so trefflich im christlichen Sinne beschrieben hat: “Unsere Toten gehören zu den Unsichtbaren, aber nicht zu den Abwesenden.” In den Ordensgottesdiensten gedenken wir in besonderer Weise auch unserer verstorbenen Ordensschwestern und Ordensbrüder und sind ihnen damit verbunden. Dies ist gleichzeitig auch die lebendige Fortführung der Tradition des Ursprungsordens.

Im Gedenken an Jacques de Molay und der gewaltsamen Vernichtung des Templerordens verbindet sich aber auch eine zweite wichtige Perspektive für den Anspruch des heutigen Wirkens des Ordens:

Das Gedenken an dieses schreckliche Ereignis muss auch eine Handlungsperspektive für die Gegenwart beinhalten und damit Sinnhaftigkeit für das heutige Handeln stiften.

Wer das damalige Unrecht der politisch motivierten Verfolgung und Vernichtung beklagt, kann nicht wegschauen, wenn auf der Welt auch heute noch Andersdenkende von den politisch Mächtigen wie zu Zeiten des alten Ordens verfolgt und getötet werden. Dies würde auch dem in der Ordensverfassung zugrundegelegten Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung widersprechen. An den Ordensgliederungen und an jedem einzelnen Ordensangehörigen liegt es, nach Wegen zur Umsetzung dieses hohen Anspruchs zu suchen und erkannte Möglichkeiten gemeinsam mit anderen zur Verwirklichung zu verhelfen.