Krippe von Albrecht Dürer 1504

GEDANKEN ZUM WEIHNACHTSFEST 2016 – von Ordensprior Dr. Schneider

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Ein schlichtes Bild in Grau

Ein Umfeld vor dem es einem graut.

Die Geburt Jesu Christi im Grau des heutigen Alltags.

Der Grauschleier senkt sich positiv über die Verklärung.

 

 

 

 

 

Kupferstich Albrecht Dürer 1504

 

 

Weihnachten ist ein Wunder, das immer wieder neu entdeckt werden will.

Ohne Ablenkung durch das Unwesentliche dieser Welt,
strahlt das fleischgewordene Wort Gottes in die Welt.

Sich auf dieses Wesentliche zu besinnen, heißt zur Ruhe zu kommen,
gegen alle Hektik,
gegen alle Pracht und Farbenglanz:

Alle menschlichen Sinne müssen zur Ruhe kommen, um ganz in der Geburt Jesu Christi anzukommen.

Gerade wenn wir beim Wesentlichen angekommen sind, werden wir merken, dass wir uns wesentlich von unserem Umfeld unterscheiden. Durch diese Unterscheidung wird dann auch die Einsamkeit der Geburt in der Krippe spürbar, denn nicht viele werden einem auf diesem Weg folgen.

Bevor wir überhaupt zu diesem Punkt kommen, müssen wir die, mit denen wir Weihnachten feiern, auf diesem Weg mitnehmen, denn ein anderer als der gewohnte Weg verursacht mit Sicherheit Enttäuschungen. Um aber der Geburt Jesu Christi wirklich wieder nahe zu kommen, müssen wir – um in den Worten von Papst Franziskus zu bleiben – den Stallgeruch nicht nur riechen, sondern auch annehmen.

In der langen Zeit, die uns von der Geburt Jesu Christi trennt, haben sich um das Fest wie bei einer Zwiebel immer mehr Schichten gebildet, so dass das Fest mit allem was damit zusammenhängt, immer umfangreicher wurde. Wer nun an den eigentlichen Kern zurückwill, wird wie bei einer Zwiebel um die Häutung nicht herumkommen und dies wird wehmütige Tränen des Abschieds von bisherigen Traditionen bedeuten.

Tränen und menschliche Verklärung verstellen aber den Blick auf das, was menschliche Sinne bei weitem übersteigt: Gott bedient sich keiner Propheten mehr, die die Botschaft zu den Menschen bringen. Wenn menschlich Liebende in der Fülle ihrer Liebe Zeichen setzen wollen, so lassen sie Blumen sprechen. Gott, der die Menschen liebt, schenkt uns seinen Sohn und lässt ihn direkt und mit Zeichen der Wunder zu uns sprechen.

An uns allein liegt es, dass wir dieses Zeichen im Fest der Geburt wieder neu entdecken und weitertragen. Selbst wenn man sich aufrafft, sich auf die Reise der Wiederentdeckung von Gottes Botschaft zu machen, so versagt doch der persönliche Mut, sich in der Entdeckung anderen mitzuteilen. Aber genauso wie ein Virus genügt, um ansteckend zu sein, so genügt der Virus der “Be-Geisterung”, um Suchende und im Glauben festgefahrene Menschen von Gottes stets aktueller Botschaft zu begeistern.

In diesem Sinne wünsche ich allen Ordensangehörigen und denjenigen, die wir mit dieser Homepage zum Lesen angeregt haben, eine gesegnete Weihnachtszeit.