Pfingsten G M Ehlert - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

PFINGSTEREIGNIS: ALLE SOLLEN EINS SEIN – von Ordensprior Dr. Schneider

Gerade das Pfingstfest ist das Geschenk des Heiligen Geistes, sich von der Ökumene be-Geistern zu lassen – ein Auftrag, den alle Christinnen und Christen gleichermaßen haben und der einen besonderer Teil unseres Ordensideals darstellt. So habe ich gern die Einladung zur Pfingstvesper in die nordbadische römisch-katholische Peter-und-Pauls-Kirche angenommen, um an diesem besonderen Fest den Predigtdienst zu übernehmen.

Peter-und-Paul - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

Gedanken zur Einheit in Vielfalt

Mauerbau 1961 - OMCT- Deutscher Tempelherren-Orden

Vor 56 Jahren wurde über Nacht die Mauer in Berlin gebaut. Die Mauer trennte nicht nur ein Stadtgebiet, die Mauer riss Familien auseinander, herzzerreißende Szenen spielten sich ab, mit Tränen in den Augen winkte man sich zu, nicht wissend, wann man sich je wieder persönlich sehen würde.

Mauerbau Abschied

28 Jahre danach lag man sich jubelnd in den Armen – und ein Jahr später war die Mauer und die Trennung weg.

Was musste bei der staatlichen Einheit vorausgehen, um die Einheit zu erreichen? Bei der staatlichen Einheit
musste die sozialistische Diktatur untergehen, um die Einheit in Freiheit möglich zu machen.

Bei aller Freude über die vergleichsweise schnelle Überwindung der Trennung – im Hinblick auf die Zeiträume der kirchlichen Trennungen – ist dies dennoch kein Beispiel für die Überwindung der Trennung der Kirchen: Hier kann es auf keinen Fall darum gehen, dass eine Kirche oder gar alle Kirchen untergehen müssen, um die Einheit zu ermöglichen.

Aus der allen Christinnen und Christen gemeinsamen Verantwortung für die Überwindung der Trennung können wir uns aber nicht herausstehlen, denn Jesus Christus selbst will die Einheit – Joh 17, 21 – die im Epheser-Brief 4, 3-6 deutlich angemahnt wird.

Doch die Trennung ist immer nur der Schlusspunkt, denn die Einheit wurde bereits zuvor verspielt.

Es stellt sich gerade nach 963 Jahren die Frage, warum die Trennung zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche noch besteht.

Es stellt sich gerade nach 500 Jahren die Frage, warum die Trennung zwischen evangelischer und katholischer Kirche noch besteht.

Es stellt sich gerade nach 144 Jahren die Frage, warum die Trennung zwischen alt-katholischer und römisch-katholischer Kirche noch besteht.

Festhalten lässt sich leider, dass – im Gegensatz zur deutschen Trennung – die kirchlichen Trennungen zumindest ein- oder beidseitig gewollt waren. Im Gegensatz zur deutschen Trennung gab es keine tiefe Sehnsucht bei den Kirchen, diese Trennung möglichst bald zu überwinden. Die Trennungen hatten Gräben aufgerissen, die nicht nur dem Einheitsgebot, sondern auch dem Liebesgebot Jesu widersprachen und die jetzt auf einer langen Zeitachse Schritt für Schritt überbrückt werden bzw. darüber das Gespräch gesucht wird.

Aber Zeit, solange sie auch gehen mag, heilt nicht alle Wunden, denn sonst hätten wir längst die kirchliche Einheit.

Auch wenn sich die Kirchen in der Zwischenzeit unterschiedlich entwickelt haben, so glauben sie dennoch an den gleichen Gott. Auch wenn die Kirchen in der Zwischenzeit in unterschiedlichen Formen Gottesdienst feiern, so verbindet sie der eine Glaube und die eine Taufe. Gerade am Pfingstfest sollten wir prüfen, was uns jetzt eigentlich noch fehlt.

Die staatliche Trennung hat Familien auseinandergerissen, die tiefe Sehnsucht aber, wieder zusammenzufinden blieb. Sich liebende Paare, die nur kurz getrennt sind, warten voller Ungeduld
auf das Ende der Trennung.

Gibt es diese Sehnsucht nach Einheit der Christenheit? Gibt es diese ungeduldige Sehnsucht
nach Überwindung der Trennung?

Ich kann leider beide starke Antriebsfedern zur Einheit der Christenheit in diesem Ausmaß momentan nicht erkennen und bin dennoch nicht entmutigt. Es gilt zunächst über alle Unterschiede hinweg, sich in Liebe zu tragen, ja, sich in Liebe zu ertragen.

Fußwassung als Liebesdienst - OMCT- Deutscher Tempelherren-Orden

 

 

 

 

 

Das Pfingstfest ist Anlass genug, um den Beistand des Heiligen Geistes zu bitten, der in uns das Feuer der Liebe brennend entfacht, der uns be-Geistert, um die Mauern, die uns trennen, zu überspringen.

Wenn dies so werden soll, dann darf der Heilige Geist, nicht die für uns unbekannte Seite Gottes sein, dann sollte es künftig bei uns wie folgt sein:

Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als wir das Gebot Jesu befolgten, der zu uns auch heute sagt:

eins sein - Joh 17,21 - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

Für die Schritte zur Einheit sind wir alle verantwortlich und seien die Schritte auch noch so klein. Kein Schritt aber ist zu klein, um nicht schon heute gegangen zu werden – denn dieser Schritt ist der stete Tropfen, der Bewegung in die Weite der Ökumene bringt.

Fangen wir gemeinsam damit an – auch und gerade im Orden – um die nötigen Schritte zu tun, die uns alle der Einheit in Vielfalt näher bringen.