Facetten - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

FACETTEN FÜGEN SICH BEIM GENERALKAPITEL ZUSAMMEN – INVESTIERUNG UND REZIPIERUNG: HÖHEPUNKT UND NICHT ENDE DES WEGES

Die Frage, ob der Weg als Ordensdame oder Ordensritter der jeweils richtige für einen selbst ist, liegt zeitlich gesehen beim Generalkapitel – wie in Münster 2016 – schon einiges zurück, da sich nun mit der Investierung und Rezipierung die Realisierung des bejahten Wunsches für die Einzelnen ergab.

Berggipfel - OMCT - Deutscher Tempelherrenorden

Um im Bild des Bergsteigens zum Ausdruck zu bringen, ist dies mit Sicherheit ein Gipfel, der die vormals getroffene Entscheidung herausragend zum Ausdruck bringt. Es würde sich aber niemand allen Ernstes beim Wandern auf den Weg machen, ohne die Rückkehr in den Alltag bewusst zu planen. Dies bedeutet nicht, dass die absolvierte Wanderung der Schlusspunkt dieses sportlichen Engagements ist, sondern dass – sobald es der Alltag zulässt – wieder mit dem Neubeginn der Aktivität begonnen wird.

 

Alltag - Urlaub vorbei - OMCT- Deutscher Tempelherren-Orden

So verhält es sich auch beim Erreichen des Gipfels Investierung und Rezipierung: Der Alltag wird wie beim Bergsteigen den mit Abstand meisten Zeitumfang an sichtbarer Aktivität umfassen, so dass es gerade beim Engagement im Orden auf die eigene Motivation ankommt, sich punktuell – aber wie beim Bergsteigen – mit voller Kraft bei Ordensaktivitäten zu engagieren.

Sinnfrage - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

Was aber ist, wenn die Konvente der Komtureien und Ordenshäuser zu weit vom jeweiligen Wohnort entfernt sind oder terminliche Verpflichtungen mich hindern, an den Treffen teilzunehmen? Welche Antwort finden diejenigen, die in der persönlichen Einschätzung zum Orden kommen, ihrem Leben eine neue Wertigkeit oder neue Ausrichtung zu geben? Hier zeigt sich, dass die Ausgangsfrage beim Weg in den Orden entweder nicht gestellt wurde oder auf diese keine persönliche Antwort gefunden wurde.

Die Ausgangsfrage kann nicht lauten, wie kann der Orden meine unerfüllten Lebenswünsche erfüllen oder wie kann der Orden mein Sehnen nach einem tiefen Sinn des Lebens erfüllen? Um dies zu verdeutlichen, lohnt es sich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, um von dort aus den Blick auf die Gegenwart zu richten.

Bernhard von Clairvaux2Lob der neuen Ritterschaft - Bernhard v Clairvaux OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

Bernhard v. Clairvaux: Lob der neuen Ritterschaft

Der historische Templerorden speist sich aus dem Spannungsbogen von Rittertum und Mönchtum oder anders aus der damaligen Perspektive ausgedrückt aus dem kriegerischen Beruf des Ritters und der geistlichen Berufung zum Mönch. Ohne die damals akzeptierten Ideale eines neuen Rittertums, die vom herausragenden Mönch und Mystiker Bernhard von Clairvaux niedergelegt wurden, wäre es zu diesem Spannungsbogen weder gekommen noch hätte er überhaupt Bestand gehabt.

Bernhard von Clairvaux kritisierte in harten Worten das zur Dekadenz neigende Rittertum seiner Zeit. Aber es ist schon nachvollziehbar, dass ein Berufs- und Adelsstand, dessen Hauptzweck das Militärwesen ist, in den Zeiten ohne Einsatz Motivationsdefizite auswies, die sich negativ im Lebenswandel niederschlugen. Hier stellt sich natürlich für die Gegenwart die Frage, was macht eigentlich eine Ordensdame oder ein Ordensritter, wenn er denn nicht im Dienst des Ordens steht und dies – da ja jeder seine eigene Wohnung verstreut im Einzugsgebiet des Ordens und seinen eigenen Beruf hat – zugegebenermaßen die Hauptzeit des eigenen Lebens umfasst? Diese Frage ist zwar allgemein beantwortbar, aber in der Umsetzung immer an den jeweiligen Ordensangehörigen gebunden. Bildhaft könnte die Antwort lauten, dass die Ordensangehörigen im Alltag ohne sichtbaren Ordensmantel die Ordensideale und die ritterlichen Tugenden leben und durch innere Werte und nicht durch Äußerlichkeiten “erkannt” werden. Dies ist mit Sicherheit die schwierigste Aufgabe, bei der man sicher in der Ordensgemeinschaft Kraft tanken kann, die aber letztlich dennoch viel Eigenmotivation bedarf. Diese innere Haltung den Ordensauftrag immer wieder neu umzusetzen, kann nicht allein durch Ordensbegegnungen ersetzt werden.

Ora et labora - OMCT- Deutscher Tempelherren-OrdenMönch im Gebet - OMCT - Deutscher Tempelherren-Orden

Hatten die Ritter schon die Erfahrung weltlichen Zusammenlebens, so war das Zusammenleben der Mönche von besonderer Art und dem wechselnden Rhythmus von Gebet und Arbeit geprägt.  Übertragen auf die Gegenwart bedeutet dies, dass unserem Orden – dem das reale und dauerhafte Zusammenleben in Komtureien und Ordenshäuser fremd ist – dieses alles prägende Leben fehlt und damit auch das täglich neue Einüben des besonderen Lebensweges. Dennoch sind die von allen positiv empfundenen Begegnungen in den Konventen oder anderen gemeinsamen Aktivitäten die Basis, auch über weite Entfernungen hinweg, Verbundenheit zu spüren, die auch im Einzelnen gepflegt und vertieft wird. Mönche, die gemeinsam arbeiten, haben es leichter, diese Aktivitäten zu koordinieren und dauerhaft durchzuführen. Dies kann für die Ordensgruppierungen immer wieder ein Anlass sein, darüber nachzudenken, wie man neben finanziellen Spenden auch durch Spenden der eigenen Freizeit, caritativ wirken kann. Von den jeweiligen Bedingungen abhängig ist es denkbar, dass von der gesamten Komturei bis zum einzelne Ordensangehörigen eine caritative Aktivität punktuell oder dauerhaft verfolgt werden kann.

Balken im Auge OMCT- Deutscher Tempelherren-Orden

Die historische Beschränkung der täglichen Konvente auf eine Stunde sollte vor allem dazu führen, dass sich die Begegnungen nicht zur eigenen Nabelschau entwickeln, in dem man sich aneinander oder zwischen den Komtureien abarbeitet. Dies ist auch heute noch für die Gegenwart wichtig, denn der Sinn des Ordens besteht nicht in der Selbstbeschäftigung mit Strukturen und menschlichen Unzulänglichkeiten. Die Beschäftigung mit der historischen Vergangenheit dient dazu, sich seiner selbst im Orden bewusst zu werden und es gilt überlieferte Ideale zeitgemäß anzupassen. Die Pflege der Gemeinschaft und der Ordensrituale gehören ebenso dazu wie die gemeinsame Feier der Ordensgottesdienste. Grundlegend haben alle dem Anspruch aus
Mt 7,1-5 immer wieder neu gerecht zu werden:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Es zeigt sich also an der besonderen Bedingungslage der Gegenwart, dass es vor allem auf die Einzelnen ankommt, wie und mit welchem Elan die Ordensarbeit gelebt wird. Die Freiheit der Eigenverantwortlichkeit ist zu nutzen, um für sich selbst und für alle in der Ordensgemeinschaft zum Gewinn zu werden.