LEITGEDANKEN ZUR ORDENSAUFNAHME

Ordensprior Dr. Schneider

Ordensprior Dr. Schneider

In der Ansprache verdeutliche Ordensprior Dr. Schneider, dass auch heute noch wie damals geistlicher Geleitschutz von hoher Bedeutung ist. Wer sich auf den historischen Templerorden beruft, muss sich auch in der Gegenwart an den aktualisierten Ordensidealen messen lassen.

Geleitschutz geben heißt in aktualisierter Form, überall dort, wo man öffentlich Verantwortung trägt, sich sprachlichen Pfeilen wie diesen mutig entgegenzustellen: “Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber …!” Geleitschutz geben heißt heute, überall dort, wo man diesen Aussagen entgegentreten kann, das Feuer geistiger Brandstifter zu löschen, damit nicht in Folge davon Wohnheime für Asylsuchende brennen.

Wir müssen uns aber auch am Ideal Christi messen lassen und am Ende der Welt die entscheidende Frage beantworten, ob wir den Geringsten unter uns so begegnet sind als ob wir Jesus Christus begegnen.

Für unseren Orden gilt es, sich jederzeit messen zu lassen, und zwar auch von denen, die uns in der Gesellschaft kritisch gegenüberstehen.
Für uns gilt, dass wir zurückbleiben, unseren Idealen nicht mehr gerecht werden, wenn wir mit den caritativen Aufgaben unserer Zeit nicht wachsen.

Wer mit den caritativen Aufgaben wächst, wird auch als Orden in seiner Gesamtheit wachsen, denn Christus im Sinne seiner Anfragen an uns, so zu bekleiden, macht auch anziehend für andere. Dabei sollen wir uns vom Ordensideal aus Psalm 115,1 leiten lassen: Nicht uns Herr, nicht uns, sonderen deinem Namen gib Ehre.

AUFNAHME IN DEN ORDEN: MÄNNER LEISTEN IHREN BEITRAG ZUR VERWIRKLICHUNG DES ORDENSIDEALS

Postulanten

Postulanten

Im Hauptgottesdienst des Generalkapitels zu Fulda wurden sechs Postulanten dem Ordensmeister Dr. Schneider zur Rezipierung vorgestellt. Vier der Postulanten stammen aus dem Ordenshaus Berlin-Brandenburg und ein Postulant aus der Komturei Hannover-Norddeutschland sowie ein Postulant aus der Schweiz, der sich der Komturei angeschlossen hat.

Postulanten

Postulanten

Das verpflichtende Ordensseminar wurde in Berlin-Tempelhof durchgeführt, während dem Bewerber aus der Schweiz der Ausnahmeweg des Fernseminars zugebilligt wurde. Durch die Mitwirkung am Komtureileben konnten sie innerhalb des Vorbereitungsjahres in den Orden hineinwachsen.

Der große verändernde Schritt in ihrem Leben begann mit dem gemeinsamen Einzug in die Michaels-Kirche, bei dem die künftigen Ordensritter ihren Mantel über dem Arm erstmals mit sich führten. Die dem Rundbau der Grabeskirche zu Jerusalem nachempfundene alte Kirche führte für alle Ordensangehörigen – allein durch die Atmosphäre, die dieses Haus Gottes ausstrahlt – zu einem tiefen persönlichen, geistlichen Erlebnis. Hier war es möglich, dass sich alle anwesenden Ordensangehörigen um den Tisch des Herrn gemeinsam versammeln konnten.

Rezipierung durch Ritterschlag

Rezipierung durch Ritterschlag

Im Vortrag der Regual Moderna wurde an die alten Ideale des historischen Templerordens erinnert, die uns in Anpassung an die heutige Zeit Richtschnur sind. In der Konsenserklärung bekundeten die Postulanten ihre Bereitschaft zur Umsetzung der Templerideale, der Ordensregeln und der Ordensverfassung. Im alten Ritual – der Gürtung mit dem Zingulum – wurde den Postulanten verdeutlicht, dass Gott sie künftig führen möge. Bei der Rezipierung wurde jeder Einzelne von ihnen mit dem Ordensschwert zum Rechtsritter

Einkleidung mit dem Ordensmantel

Einkleidung mit dem Ordensmantel

geschlagen. Durch die Einkleidung mit dem Ordensmantel wurde auch optisch zum Ausdruck gebracht, dass alle unter dem Mantel gleich und diesen Anspruch auch leben sollen.

Selbst wenn man die hier verkürzt dargestellte Zeremonie noch ausführlicher beschreiben würde, käme auch diese nie der Empfindung nahe, die man nur erleben kann.

Die Ordensregierung und alle Ordensangehörigen wünschen den neuen Ordensrittern auf ihrem Weg – im und mit dem Orden – Gottes Segen.

AUFNAHME IN DEN ORDEN: FRAUEN LEISTEN IHREN BEITRAG ZUR VERWIRKLICHUNG DES ORDENSIDEALS

Aufnahme einer Postulantin

Aufnahme einer Postulantin

Beim Hauptgottesdienst anlässlich des Generalkapitel werden einmal im Jahr Frauen und Männer als gleich-berechtigte Ordensangehörige in den Orden aufgenommen. Ordens-affiliierte können sowohl in diesem Gottesdienst als auch im Laufe eines Ordensjahres Zugang zum Orden finden.

So hat sich in diesem Jahr aus der Komturei Oberderdingen-Süddeutschland eine Ordensaffiliierte auf den inneren Weg gemacht, durch die Mitarbeit im Komtureileben und in Auseinandersetzung mit den Inhalten des Ordensseminars, dem Ziel der Investierung zur Ordensdame näherzukommen.

In diesem Gottesdienst wurde die nächste Stufe auf dem Weg zur Ordensdame durch die Aufnahme als Postulantin erreicht. Von nun an darf die neue Postulantin mitentscheidend auf allen Konventen vertreten sein.

Die Ordensregierung und alle Ordensangehörigen wünschen unserer neuen Postulantin auf ihrem weiteren Weg Gottes Segen.

AUFNAHME VON ORDENSMINISTRANTINNEN IN DEN ORDEN

MInistrantenaufnahme in den Orden

Aufnahme von Mia und Cornelia als Ordensministrantinnen

Unser Orden bezieht bei der Umsetzung des Ordensideals nicht nur die Erwachsenen ein, sondern hat auch nach der bestehenden Ordensverfassung den Auftrag, junge Menschen mit den Ideen des Ordens vertraut zu machen. Ältere Kinder und Jugendliche sollen sich daher in einem ersten Schritt in die Ordensgottesdienste einbringen, wobei der Orden an den Ministrantendienst anknüpft, der in der römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen, alt-katholischen und mancherorts auch evangelischen Kirche als Tradition vorzufinden ist.

Wie bei den Erwachsenen ist die Taufe die erste Voraussetzung für die Einbeziehung in diesen Dienst. Bei Kindern spielt auch die geistliche Reife eine entscheidende Bedingung, um der damit verbundenen Aufgabe gerecht werden zu können.

In diesem Jahr kamen aus der Komturei Oberderdingen-Süddeutschland und aus dem Ordenshaus Berlin-Brandenburg die Mädchen, die sich vorbereitet auf diesen Weg begeben haben. Sie versprachen dem Ordensprior bei der Aufnahmezeremonie, kontinuierlich ihren Beitrag zur liturgischen Assistenz zu leisten.

Die Ordensregierung und die Ordensangehörigen wünschen den beiden neuen Ordensministrantinnen Gottes Segen für Ihren Dienst.

VERTRETER DER KOPTISCHEN KIRCHE ZU GAST AUF DEM GENERALKAPITEL

Friedensgruß v. Pater Schenouda u. Prior Dr. Schneider

Friedensgruß v. Pater Schenouda u. Prior Dr. Schneider

Unseren Ordensidealen gemäß suchen wir vertiefte ökumenische Beziehungen zu allen christliche Kirchen, da auch der Orden als solches in sich ökumenisch ausgerichtet ist. Durch die Aufnahme getaufter Christinnen und Christen in den Orden – unabhängig von konfessioneller Zugehörigkeit – der Mitarbeit von Ordensgeistlichen aus verschiedenen Kirchen und durch das konkrete Ordensleben, versuchen wir einen Beitrag zum Ziel der Einheit in Vielfalt zu leisten. Unsere Ordensangehörigen sollen auch in ihren jeweiligen Kirchen einen Beitrag zur lebendigen Ökumene leisten.

Auf diesem Generalkapitel haben wir Vertreter der koptischen Kirche eingeladen, um deren Spiritualität und kirchliches Leben näher kennen lernen zu können. Ebenso stand das Leben der koptischen Christinnen und Christen in Deutschland im Mittelpunkt des Interesses.  Die Lage der koptischen Kirche und seiner Gläubigen in Ägypten, die immer wieder Anlass zur Sorge gibt, kam ebenso zur Sprache. Die Informationen aus erster Hand umfassten aber auch die wichtige soziale Arbeit in Ägypten, die von Deutschland aus mit unterstützt wird. Unser Orden nahm die Ausführungen zum Anlass, um sich an der sozialen Arbeit von Bischof Anba Damian für Kinder und Jugendliche in Ägypten, durch eine Spende zu beteiligen.

Die tiefe Spiritualität, die bei den Vertretern der koptischen Kirche spürbar war und der intensive Gedankenaustausch haben bei den Ordensangehörigen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

GENERALKAPITEL 2015 ZU FULDA – ORDENSLICHTVESPER

St BlasiusZu Beginn des Generalkapitels findet am Abend traditionell die Ordenslichtvesper statt, die an einen altkirchlichen Ritus angelehnt ist. Jesus Christus – unser Licht – ist die zentrale geistliche Ausrichtung der Vesper, die nicht mit der gewohnten monastikalen Form gleichzusetzen ist.

Die Lichtvesper nimmt eine altkirchliche Gottesdienstform auf, die in den Anfangszeiten der Kirche an den Abenden der Woche üblich war. Man versammelte sich, um Christus das Licht, das niemals mehr verlöscht, zu feiern. An der Osterkerze wurde eine Danksagung gesungen und Kerzen entzündet.

Dieser Ritus findet auch in der Ordenslichtvesper statt, an der dann die Ordenskerze und die Kerzen in der Kirche entzündet wurden. Die Feier ist insgeamt reich an Symbolen, tiefen Gedanken und wunderbaren Melodien.

Die Stadtpfarrkirche St. Blasius bot unserem Orden eine geistliche Heimat. Ehrendomkapitular Buß stand dem Gottesdienst vor und zelebrierte ihn gemeinsam mit Ordensprior Dr. Schneider.

GENERALKAPITEL 2015 ZU FULDA

Ordensregierung

Ordensregierung

Die Ordensregierung nahm den Auftrag des Generalkapitels zu Heidelberg 2014 wahr, einen Ort auszuwählen, der den ordensinternen Kriterien im Hinblick auf Zentralität entsprach. So fiel die Wahl auf die Bischofsstadt Fulda, in dem der Orden schon einmal Ende der 90iger Jahre in guter Erinnerung ein Generalkapitel abgehalten hat.

Im Hinblick auf die Ordenslichtvesper und den Rezipierungs- und Investierungsgottesdienst wurden die Stadtpfarrkirche St. Blasius und die Michaelskirche ausgewählt. Die Michaelskirche wurde in den Jahren 820 – 822 gebaut und zählt zu den ältesten Nachbauten der Grabeskirche. Dieser außerordentliche Bezug zu Jerusalem und der architektonische Aspekt des zentralen Rundbaus war ein für uns alle besonderer Bezugspunkt zur Historie des Templerordens.

Wir danken an dieser Stelle besonders der römisch-katholischen Ortskirche, die im Geist der Ökumene Gastfreundschaft praktizierte.

ORDENSSEMINAR ALS IMPULS

Logo OSUnterschiedliche Momente im Leben der Teilnehmenden haben dazu geführt, dass der Kontakt zum Deutschen Tempelherren-Orden entstanden ist. Die eigenen Beweggründe sind ebenso unterschiedlich wie das soziale Umfeld, aus dem die Teilnehmenden kommen. Gemeinsam ist aber allen, dass sie Teil des Ordens werden wollen und in die Ordensgemeinschaft und die -rituale hineinwachsen wollen.

In Film-, Bild- und Textbeiträgen fand die Auseinandersetzung mit der historischen Vergangenheit statt, die ja die Basis des heutigen Wirkens aller Templerorden darstellt. Was die einzelnen Templerorden aber aus dieser Basis für sich in das praktizierte Ordensleben übernehmen, bewirkt eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote, denen sich Suchende unvermittelt gegenüber sehen. Anhand von Hinweisen aus der Homepage und entstandenen persönlichen Kontakten kristallisiert sich dann heraus, ob der jeweilige Orden auch zum Einzelnen passt.

Auf dieser Vorklärung aufbauend, konnte dann die eigene Historie des ältesten deutschen ökumenischen Templerordens erarbeitet werden. Die Anknüpfungspunkte an den historischen Templerorden und die konkrete Umsetzung der vorfindbaren Ideale in der Geschichte unseres Ordens fanden Raum, um sich damit auseinanderzusetzen. Gerade hier zeigt es sich, dass ein Ordensseminar keine “Einbahnstraße” ist und die Fragen und das Hinterfragen scheinbarer “Selbstverständlichkeiten” auch wieder Impulse für die Ordensgemeinschaft insgesamt darstellen.

Am Fokus des praktizierten Ideals konnten die eigenen Beweggründe nochmals hinterfragt und die Erwartungen real konkretisiert werden. So wurde das Ordensseminar auch in einem Einzelfall eines Interessenten, der erst am suchenden Anfang standt, zur Entscheidungshilfe, um nun auf dieser Basis sich als Ordensaffiliierter in den Orden aufnehmen zu lassen.

Neben den geistigen Impulsen kam auch die Einübung der Ordenspraxis im Konvent und in den Ordensgottesdiensten nicht zu kurz. Die erworbene eigene Sicherheit trägt dazu bei, zum Eigentlichen vordringen zu können.

Die Vielzahl dieser Impulse haben bei den Teilnehmenden unterschiedliche eigene Prozesse in Gang nachhaltig in Gang gesetzt und mündeten in den feierlichen Abschlussgottesdienst des Ordenshauses Berlin-Brandenburg.

LEITGEDANKEN AUS DEM GEDENKGOTTESDIENST

Temple de Paris Merian 1615

Temple (Paris)

2015 jährt sich das Templerpogrom in Paris zum 701. Mal. Die inhaftierten Tempelritter hatten eine grausame Zeit der Kerkerhaft, in der sie der Folter im Auftrag des Königs und der Inquisition erdulden mussten. Am Ende dieses schwersten Teil ihres Lebens stand dann der Scheiterhaufen.

Menschliche Empfindungen dazu können unterschiedlicher nicht sein: Wäre am Anfang des Weges der Scheiterhaufen gestanden, so wäre dies wohl die Grausamkeit schlechthin gewesen. Aber am Ende dieses außerordentlichen Leidensweges erscheint fast jede Todesart eine “Erlösung” zu sein.

Bei den erlittenen Folterqualen alles zuzugeben, was man ihnen zu Last gelegt hatte und genau jene Geständnisse in der milderen Obhut der päpstlichen Verfahren zu widerrufen, zeigt aber, dass die Tempelritter auch in höchster Not um ihr Leben kämpften und als Betroffene keine Art des gewaltsam herbeigeführten Todes als “Erlösung” betrachtet hätten.

Generell führt uns dieses Beispiel aber vor Augen, dass jeder Mensch zwei Extremsituationen in seinem Leben zu überwinden hat, und zwar die Geburt und der Tod. Jeder Mensch wird zweimal geboren: in das irdische Leben und das Leben bei Gott. Jeder Mensch wehrt sich am Anfang und am Ende seines Lebens gegen diesen mühseligen Prozess “des Geburtsvorgangs”. Komturei Tempelhof

Beim Eintritt in diese Welt zeigt sich, dass die Erlösung durch Jesus Christus zwar schon begonnen hat, aber noch nicht vollendet ist. Dabei brennt sich uns das Schlechte, das uns widerfuhr, unlöschbar ins Gedächnis ein, während das Gute eher als Hauch des Moments vergänglich wahrgenommen wird.

Wenn wir uns eher unbewusst in diese Welt hineinquälen, nehmen wir ganz bewusst und mit großen Ängsten belastet die Geburt in ein neues Leben bei Gott durch den Tod wahr. Auch den Tempelritter ging es dabei nicht anders, obwohl sie es wie wir anders wissen müssten: Sie hatten zwar das irdische Jerusalem durch eigenen Anschauung erlebt, aber das himmlische Jerusalem im Glauben nur unscharf wahrgenommen.

Doch Jesus will uns diese Angst vor der Ungewissheit, was uns nach dem Tod erwartet, nehmen: Er ist uns vorausgegangen, um uns eine Wohnung bei Gott vorzubereiten. Die Wohnung, die uns der Inbegriff für unseren privatesten Raum ist, wird zum Sinnbild zum Leben bei Gott. Wer wollte sich vor so einer Wohnung fürchten?

FEIERLICHER GOTTESDIENST IN GEDENKEN AN DAS TEMPLERPOGROM

TemplerpogromJedes Ordenhaus und jede Komturei des Ordens hat einen eigenen jährlichen zentralen Gottesdienst, der aus dem Kalender der Ordensfeiertage ausgewählt wurde. Das Ordenshaus Berlin-Brandenburg hat sich dabei für den Gedenktag an das Templerpogrom entschieden, der in diesem Jahr gleichzeitig der Abschluss des Ordensseminars wurde.

Die Ordensgemeinschaft freut sich dabei besonders darüber, dass aus dem Kreis der interessierten Teilnehmer am Ordensseminar zwei Männer als Ordensaffiliierte in diesem Gottesdienst aufgenommen werden konnten.

Die geistliche Feier mündete dann in die weltliche Abschlussfeier und ist Ausdruck dafür, dass das Ordensideal auch gelebt wird.