{"id":3713,"date":"2020-03-01T12:54:00","date_gmt":"2020-03-01T11:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/?p=3713"},"modified":"2020-02-18T14:17:37","modified_gmt":"2020-02-18T13:17:37","slug":"predigtgedanken-zur-fastenzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/predigtgedanken-zur-fastenzeit\/","title":{"rendered":"Predigtgedanken zur Fastenzeit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Standortbestimmung auf dem Weg nach Jerusalem<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Unterbrechungen im Unterwegssein<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das st\u00e4rkste Sinnbild f\u00fcr unser Leben ist der Weg. Leben bedeutet Unterwegssein. F\u00fcr die letzten Lebensjahre Jesu, von denen die Evangelien erz\u00e4hlen, galt das in besonderer Weise wirklich und nicht nur bildlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus zieht mit seinen J\u00fcngern durch Galil\u00e4a und in die Gegend um den See Genezareth; er verk\u00fcndet das Reich Gottes und er heilt die Kranken. Dann begibt sich Jesus auf \u201cden Weg hinauf nach Jerusalem\u201d, in die Stadt seines Leidens, seines gewaltsamen Todes und seiner Auferstehung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziemlich am Anfang dieser Weggeschichte nach Jerusalem findet sich die Erz\u00e4hlung von der Verkl\u00e4rung Jesu. Es ist eine Unterbrechung im Unterwegssein, eine Rast w\u00e4hrend einer Wanderung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Unterbrechungen der Zeit, der Geschichte, der eigenen Lebensgeschichte kennt jeder von uns. Der Jahreswechsel ist solch eine Unterbrechung, sicher auch ein runder Geburtstag oder ein Jubil\u00e4um. Man blickt dann zur\u00fcck auf das, was bisher war, auf das Sch\u00f6ne und Begl\u00fcckende, aber auch auf das Schwere und Bedr\u00fcckende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo stehe ich jetzt? Was ist aus meinen Pl\u00e4nen geworden? Und was liegt noch vor mir? Was ist das Ziel? Und wie weit ist es zu diesem Ziel? Was brauche ich, um ans Ziel zu kommen? Was werde ich noch erleben, was erleiden? Gibt es hinter allem einen letzten, einen alles tragenden Sinn?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine Unterbrechung im Weg Jesu<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fastenzeit, die \u00f6sterliche Bu\u00dfzeit, will zu einer derartigen Rast auf dem Lebensweg, zu einer Unterbrechung im Unterwegssein unseres Lebens einladen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das heutige Evangelium will uns Christen hineinnehmen in die Unterbrechung des Weges Jesu mit seinen J\u00fcngern hinauf nach Jerusalem im Erleben der Verkl\u00e4rung Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus nimmt Petrus mit. Kurz davor hatte Petrus auf die erste Ank\u00fcndigung des Leidens Jesu zu ihm gesagt: \u201cGott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!\u201d (vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us16%2C21\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Mt 16:21 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Mt 16:21<\/a> f.) Und Jesus hat darauf \u00e4u\u00dferst scharf reagiert: \u201cGeh weg von mir, Satan, denn du bist mir ein \u00c4rgernis, du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.\u201d (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us16%2C23\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Mt 16:23 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Mt 16:23<\/a>) Nun nimmt Jesus diesen Petrus und die beiden Br\u00fcder Jakobus und Johannes und \u201cf\u00fchrt sie auf einen hohen Berg.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade ein Bergerlebnis eignet sich besonders gut als Bild und Gleichnis einer Unterbrechung, als R\u00fcckblick, als Standortbestimmung, als Frage nach dem Ziel und dem Sinn des Lebens. F\u00fcr den gl\u00e4ubigen Juden war zudem mit dem Berg untrennbar die Offenbarung Gottes an Mose sowie das Geschenk der Tora, des Lebensgesetzes Gottes f\u00fcr sein Volk auf dem Berg Sinai verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und f\u00fcr den gl\u00e4ubigen Christen ist der Berg zus\u00e4tzlich verbunden mit der Bergpredigt Jesu, mit der endg\u00fcltigen Deutung des Lebensgesetzes Gottes f\u00fcr die Menschen. Wenn Jesus die drei J\u00fcnger auf einen Berg mitnimmt, so will er damit zuerst auf Gott hinweisen, auf den Glauben an Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Fragen und Suchen nach Gott<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterbrechung im Unterwegssein, Standortbestimmung des eigenen Lebens hat f\u00fcr mich zuerst mit der Frage nach Gott, mit dem Glauben an ihn zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ein Blick auf das eigene Leben untrennbar mit dem Glauben an Gott zu tun hat, das war f\u00fcr die Menschen der damaligen Zeit selbstverst\u00e4ndlich. F\u00fcr unsere Zeit gilt das aber keineswegs. Auch die meisten Christen k\u00f6nnen heute nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich von Gott sprechen wie die Christen fr\u00fcherer Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr uns Christen in unserer Zeit stellt sich mit neuer Dringlichkeit die Frage nach Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer ist unser Sprechen von Gott ein Fragen nach ihm und ein Suchen Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cGlauben\u201d und eben noch nicht Schauen, Hoffen und eben noch keine Gewissheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott suchen ist ein Lieben, das gebunden ist an die Schwere und Last, den Menschen zu lieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterbrechung des Lebensweges als Frage nach Gott. Und dabei erfahre ich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade im Abstand zu meinem Alltag, in der Unterbrechung des Allt\u00e4glichen, des immer schon Gewussten, des immer schon Erlebten, des Gewohnten und Gew\u00f6hnlichen erlebe ich einen entscheidenden Hinweis auf Gott in meiner Sehnsucht, die Erde m\u00f6ge mit dem Himmel verbunden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Bleibende N\u00e4he Gottes zu Jesus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geerdet sei der Himmel und offen m\u00f6ge der Himmel bleiben f\u00fcr die Erde, offen f\u00fcr unseren Blick nach oben und f\u00fcr den Blick in unsere eigene Tiefe, offen f\u00fcr unseren Blick, der jede Grenze durchdringen m\u00f6chte und nie eine endg\u00fcltige Grenze erreiche. Berechtigt und sinnvoll sei unsere Sehnsucht, nicht immer nur beim Menschen zu sein und immer und immer nur zu ihm zu gelangen, sondern gerade in der Berechtigung dieser Hoffnung den Menschen, den anderen und mich ertragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So oder \u00e4hnlich stellt sich f\u00fcr mich die Frage nach Gott, an den ich glaube. Solche und \u00e4hnliche Gedanken habe ich, wenn mich Jesus mit auf den Berg nimmt. F\u00fcr die J\u00fcnger, die Jesus mit auf den Berg nahm, war es die Erfahrung, die so erz\u00e4hlt wird: \u201cUnd er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend wei\u00df wie das Licht.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott, von dem Jesus durchdrungen ist, scheint auf in der Gestalt Jesu. Die, menschlich gesprochen, gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche N\u00e4he Gottes zum Menschen, eben in<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus, wird hier sichtbar, wird erfahren in der Verwandlung, als Sonne, als unertr\u00e4gliche F\u00fclle des Lichts. Und noch ein anderes Sinnbild f\u00fcr Gott erscheint, die Wolke, die einen Schatten wirft, in den die J\u00fcnger hinein genommen sind. Und eine Stimme ruft aus der Wolke: \u201cDas ist mein geliebter Sohn auf ihn sollt ihr h\u00f6ren.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verkl\u00e4rungsgeschichte will eine Standortbestimmung Jesu f\u00fcr seine J\u00fcnger auf dem Weg hinauf nach Jerusalem sein. Die Verwandlung Jesu im Licht zeigt den J\u00fcngern, den Glaubenden, die absolute N\u00e4he Gottes zu Jesus, der unterwegs ist in die Stadt des Leidens und des gewaltsamen Todes &#8211; die absolute, bleibende N\u00e4he Gottes zu Jesus bis in den Tod, aus dem ihn Gott errettet, wird hier bezeugt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wird die Verkl\u00e4rung Jesu Hinweis auf seine Auferstehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein alles tragender und erf\u00fcllender Sinn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fragen wir zum Schluss noch nach der Verkl\u00e4rungsgeschichte als Standortbestimmung f\u00fcr uns Christen in unserer Zeit. F\u00fcr mich ist es zuerst die bleibende Frage nach Gott, die Sehnsucht nach ihm. Im Sinnbild ausgedr\u00fcckt: Himmel und Erde m\u00f6gen verbunden sein. Oder: Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen, nach Gott, im Ur-Eigenen, im Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott im Menschen &#8211; Gott und Mensch untrennbar verbunden und dennoch, je eigen bleibend, unvermischt. Das bekennt der Glaube von Jesus Christus. In ihm hat sich Gott unwiderruflich auf jeden Menschen eingelassen, hat Gott sich verbunden mit seiner Sch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verwandlung Jesu im Licht &#8211; die Stimme aus der Wolke, in deren Schatten wir hinein genommen sind: \u201cDies ist mein geliebter Sohn. Ihn sollt ihr h\u00f6ren.\u201d Dies bedeutet: Er ist die letzte, die ganze Sch\u00f6pfung umfassende Zu-Sage Gottes. In ihm sagt Gott zu jedem einzelnen: Du bist mein geliebter Sohn! Du bist meine geliebte Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verwandlung Jesu im Licht ist f\u00fcr mich im Glauben an Jesus Christus Sinnbild daf\u00fcr: Hinter der Vordergr\u00fcndigkeit unserer Wirklichkeit gibt es einen alles tragenden und erf\u00fcllenden Sinn. Jede Dunkelheit verweist mich im Glauben auf ein tieferes Licht. Meine Sehnsucht nach Leben \u00fcber alle Grenzen hinaus l\u00e4uft nicht ins Leere, ins Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Erfahrungen erf\u00fcllter Sehnsucht<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes Aufscheinen des Lichts, jede Erfahrung der H\u00f6he in meinem Leben verweist mich auf die noch bleibende Notwendigkeit des Weges und ermutigt mich auf diesem Weg im Dunkeln und in der Tiefe, auf diesem Weg nach Jerusalem, dessen Ziel aber nicht das Leid und der Tod ist, sondern die Herrlichkeit mit Christus bei Gott, die Verwandlung, unsere Verkl\u00e4rung mit dem geliebten Sohn Gottes als geliebte S\u00f6hne und T\u00f6chter Gottes, unseres Vaters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Standortbestimmung auf unserem Lebensweg als Frage nach Gott in unserer Sehnsucht nach ihm. Und die Antwort Gottes in Jesus Christus, an den wir glauben. Und auch in unserem Leben im Glauben gibt es Momente, Erfahrungen des Schauens, Erfahrungen erf\u00fcllter Sehnsucht, Augenblicke des Gl\u00fccks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist unser Leben Weg der Sehnsucht und des Glaubens. Er, zu dem wir unterwegs sind, ist bereits bei uns angekommen. Wir sind eingeladen, das Brot, das er segnet und bricht und uns gibt, zu essen, ihn zu erkennen, auch wenn wir ihn noch nicht sehen. Wir sind eingeladen zum Mahl bleibender und erf\u00fcllter Sehnsucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">O<em>rdensgeistlicher und Diakon Matthias<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Standortbestimmung auf dem Weg nach Jerusalem Unterbrechungen im Unterwegssein Das st\u00e4rkste Sinnbild f\u00fcr unser Leben ist der Weg. Leben bedeutet Unterwegssein. 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