{"id":4321,"date":"2021-07-31T22:04:25","date_gmt":"2021-07-31T20:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/?p=4321"},"modified":"2021-07-31T22:04:26","modified_gmt":"2021-07-31T20:04:26","slug":"eine-speise-die-nicht-verdirbt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/eine-speise-die-nicht-verdirbt\/","title":{"rendered":"EINE SPEISE, DIE NICHT VERDIRBT"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(zum 18. Sonntag im Jahreskreis)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>DAS HEMD EINES ZUFRIEDENEN<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein italienisches M\u00e4rchen erz\u00e4hlt: Ein K\u00f6nig hatte einen Sohn, der stets unzufrieden auf dem Balkon sa\u00df und sich langweilte. Er wusste selbst nicht, was ihm fehlte. Die Weisen rieten: &#8222;Majest\u00e4t, sucht einen ganz zufriedenen Menschen und vertauscht sein Hemd mit dem Eures Sohnes!&#8220; Alle Beamten wurden ausgesandt, einen solchen zu entdecken &#8211; vergebens! Da st\u00f6\u00dft der K\u00f6nig bei der Jagd auf einen fr\u00f6hlich singenden Arbeiter im Weinberg. Er gesteht: &#8222;Ich bin restlos zufrieden, m\u00f6chte weder mit Papst noch K\u00f6nig tauschen.&#8220; Der K\u00f6nig bittet: &#8222;Mein Sohn ist sterbenskrank. Er braucht als Medizin das Hemd eines Zufriedenen. Ich werde dir jeden Preis zahlen.&#8220; &#8211; &#8222;Majest\u00e4t, da kann ich nicht dienen &#8211; ich habe kein Hemd.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus l\u00e4dt uns ein, den neuen Menschen anzuziehen. Wer als Christ lebt, wer an Gott glaubt, der lebt anders. Kleidung ist in der Bibel immer ein Bild f\u00fcr ein Reden, f\u00fcr ein Denken, f\u00fcr ein Tun und f\u00fcr eine innere Haltung. Dieses alles muss von unserem Glauben bestimmt sein. Wer als Christ lebt, wer die Gebote ernst und wichtig nimmt, der lebt anders, als wenn er Gott oder Jesus Christus nicht kennen w\u00fcrde. Das sagt Paulus zwei Mal in der Lesung. <em>&#8222;Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken.&#8220; &#8222;\u00c4ndert euer Leben und erneuert euren Geist und Sinn!&#8220; <\/em>Dann ziehen wir das Hemd des Zufriedenen an. Halt! Der Zufriedene hat ja gar kein Hemd. Und doch hat er ein Hemd, es ist nur ein anderes Hemd als gew\u00f6hnlich. Wie aber sieht das Hemd des Zufriedenen aus? Das Hemd des Zufriedenen \u00fcbertrage ich gerne auf den neuen Menschen, von dem Paulus in seinem Brief an die Epheser spricht.<br \/><br \/>Es sind wichtige Haltungen, die Paulus in diesem Abschnitt anspricht. Diese Haltungen k\u00f6nnen wir auch als Markenzeichen betrachten, die das Hemd des Zufriedenen ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>MARKENZEICHEN WAHRHEIT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein erstes Markenzeichen ist die Haltung der Wahrheit. Jesus ist die Wahrheit. Sein Leben f\u00fchrt uns zur Erf\u00fcllung unseres Lebens. Seine Worte und seine Taten geben unserem Leben Sinn und Ziel. Jesus ist die Liebe Gottes, die Mensch geworden ist. Diese Liebe zeigte sich vor allem gegen\u00fcber den Armen und den Unterdr\u00fcckten. An Jesu Worte und an Jesu Taten k\u00f6nnen wir ablesen, wer Gott ist. Auf diese Weise f\u00fchrt Jesus uns zum Vater.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>MARKENZEICHEN ZUCHT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine andere Haltung ist die Zucht. Wir sollen den alten Menschen ablegen, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht. In Jesus werden wir immer wieder auf unser wahres und letztes Ziel hingewiesen. Einmal bei Gott zu sein. Wir leben h\u00e4ufig in der Sorge, ja nichts zu verpassen. Wir wollen das Leben auskosten. Doch sind wir Menschen mehr als das. Sicher: Gott hat diese Welt geschaffen, damit wir auf ihr erf\u00fcllt leben. Alle Sch\u00e4tze der Welt, alle M\u00f6glichkeiten, die uns die moderne Technik bietet, alle Freuden d\u00fcrfen wir dankbar annehmen. Doch machen wir das alles nicht zu oft zu unserem Gott. Je mehr wir doch haben, je mehr wir unsere Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt bekommen, um so mehr vergessen wir Gott, um so mehr vergessen wir, dass wir Empfangende sind.<br \/><br \/>&#8222;Je mehr er hat, je mehr er will.&#8220; Unser Denken und Handeln kreist dann immer mehr darum, mehr Besitz anzuh\u00e4ufen, dieses kurze irdische Leben immer mehr auszukosten. Das erzeugt die Begierden. Oft wird das Leben gestaltet auf Kosten der Mitmenschen. Wie oft sind doch die Menschen, \u00e4hnlich wie der Prinz im M\u00e4rchen, krank, leiden an Depressionen, weil Reichtum nicht ausf\u00fcllt. Oft liegt das daran, dass man materiell reich, aber innerlich arm ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>MARKENZEICHEN GERECHTIGKEIT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei weitere wichtige Markenzeichen des Hemdes, die Paulus darstellt, schaue ich mir an: Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wenn ich die Bibel lese, dann merke ich: Gott sucht immer nach Gerechtigkeit im Leben. Die Propheten des Alten Testamentes mahnten immer die Gerechtigkeit an. Jesus nennt die Menschen selig, die nach Gerechtigkeit d\u00fcrsten. So ist auch die Gerechtigkeit ein wichtiges Anliegen von uns Christen sein. Das betrifft die soziale Gerechtigkeit, die Bereitschaft zu teilen, es betrifft aber auch die Gerechtigkeit im Urteil \u00fcber andere. Ich darf mein Urteil nicht davon abh\u00e4ngig machen, wie ich jemanden mag. Eine Hilfe kann mir sein, wenn ich immer wieder versuche meinen Bruder oder meine Schwester zu sehen, wie ich glaube: Gott k\u00f6nnte ihn so sehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>MARKENZEICHEN HEILIGKEIT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Markenzeichen der Kleidung ist die Heiligkeit. In der Bibel bedeutet &#8222;Heilig&#8220; auch immer ein gewisses Abgehobensein. In positiver Weise hebt sich der Christ von den Mitmenschen ab. Das tut er nicht mit erhobenem Zeigefinger. Durch sein Leben, dadurch, dass ihm der Glaube wichtig ist, dadurch, dass er die Erf\u00fcllung seines Lebens nicht im Reichtum allein sieht, kann er seinen Mitmenschen zur Anfrage werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>WAS UNS DER GLAUBEN SCHENKT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt sicher auch die andere Seite. Viele erz\u00e4hlen mir, dass sie wegen ihres Glaubens bel\u00e4chelt werden, oder nicht ernst genommen werden. Doch schauen wir doch immer wieder, was uns der Glaube schenkt. Macht er uns nicht auch davon frei, bereits in diesem Leben alles auszukosten. Macht er uns nicht frei von den Begierden? Schenkt der Glaube uns nicht Sinnerf\u00fcllung, Halt und St\u00e4rke gerade dann, wenn wir in unserem Leben Krisenzeiten erleben? Doch nicht nur f\u00fcr Krisenzeiten ist der Glaube wichtig. Auch, ja gerade in guten Zeiten sollten wir Christen immer wieder klarmachen, dass Erf\u00fcllung, dass Erfolg, und dass gute Erfahrungen immer ein Grund sind, Gott zu loben und zu danken. Wenn es uns gut geht, dann ist das nicht nur immer unser eigenes Verdienst.<br \/><br \/>Vielleicht hat der Arbeiter diese Haltungen in seinem Leben verwirklicht. Der Prinz jedoch zeigt uns: es kann mir noch so gut gehen, ich kann alles haben, was das Herz begehrt, Nahrung, Kleidung, Wohnung, Ausbildung. . . und dennoch unzufrieden sein.<br \/><br \/>Dem Prinzen fehlte wie vielen von uns eine Quelle der Zufriedenheit. Diese Quelle hei\u00dft Gott. Die Lesung aus dem Buch Exodus und auch das Evangelium sind daf\u00fcr ein Zeugnis. Schauen wir uns einmal das Volk Israel an. Es war befreit aus der Gefangenschaft \u00c4gyptens. In der W\u00fcste braucht es Nahrung. Es f\u00e4ngt an zu murren. Doch Gott schenkt ihnen das Manna, das Brot vom Himmel. In der W\u00fcste erf\u00e4hrt das Volk Israel, dass es nur aus Gott heraus lebt.<br \/><br \/>Wie das Volk Israel von den \u00c4gyptern zwar das Essen bekam, daf\u00fcr aber versklavt und abh\u00e4ngig war, so sind auch oft wir: wir machen uns von so vielem abh\u00e4ngig, was uns versklavt, was uns unfrei macht. Das k\u00f6nnen Menschen sein, das kann der Beruf sein, das ist h\u00e4ufig der Besitz. Aus diesen beziehen wir unser Lebensrecht, unsere Best\u00e4tigung. So wichtig aber das ist, so unvollkommen ist die Liebe und die Zuwendung der Mitmenschen, so unvollkommen ist auch die Best\u00e4tigung, die mir durch einen Erfolg im Beruf zuteil werden kann. Das alles kann von heute auf morgen vorbei sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>EINE SPEISE, DIE NICHT VERDIRBT<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirkliche Erf\u00fcllung bekommen wir bei Gott allein. Seine Liebe ist immer vollkommen. Sie versklavt uns nicht. Die Liebe Gottes k\u00f6nnen wir uns nicht verdienen. Sie ist immer ein Geschenk. Lassen wir uns doch einladen, Gott immer wieder zur Mitte unseres Lebens zu machen. Wir leben aus ihm und aus seiner Liebe allein. Wir sind mehr als die Befriedigung unserer Bed\u00fcrfnisse. So wichtig Nahrung, Wohnung auch ist, so wenig sagt das alles \u00fcber unseren Wert als Mensch aus, so wenig erf\u00fcllt sich Menschsein darin. Ich glaube, das meint Jesus, wenn er sagt: <em>&#8222;Ich bin das Brot des Lebens!&#8220; &#8222;M\u00fcht euch nicht um die Speise, die verdirbt, sondern um die Speise, die zum ewigen Leben f\u00fchrt.&#8220; <\/em>Ihn zu unserem Brot zu machen, hei\u00dft doch: er ist die Mitte und das Wichtigste in unserem Leben. Wenn wir Christus tragen, wenn wir IHN annehmen, dann ziehen wir immer das Hemd des Zufriedenen an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">Ordensgeistlicher Matthias David<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(zum 18. Sonntag im Jahreskreis) DAS HEMD EINES ZUFRIEDENEN Ein italienisches M\u00e4rchen erz\u00e4hlt: Ein K\u00f6nig hatte einen Sohn, der stets unzufrieden auf dem Balkon sa\u00df und sich langweilte. Er wusste selbst nicht, was ihm fehlte. 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Sonntag im Jahreskreis) DAS HEMD EINES ZUFRIEDENEN Ein italienisches M\u00e4rchen erz\u00e4hlt: Ein K\u00f6nig hatte einen Sohn, der stets unzufrieden auf dem Balkon sa\u00df und sich langweilte. Er wusste selbst nicht, was ihm fehlte. 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