{"id":5298,"date":"2026-02-21T21:09:12","date_gmt":"2026-02-21T20:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/?p=5298"},"modified":"2026-02-21T21:09:14","modified_gmt":"2026-02-21T20:09:14","slug":"was-zu-verlieren-und-was-zu-gewinnen-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tempelherrenorden.de\/cms\/was-zu-verlieren-und-was-zu-gewinnen-ist\/","title":{"rendered":"WAS ZU VERLIEREN UND WAS ZU GEWINNEN IST"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Predigtgedanken zum 1. Fastensonntag Mt 4:1-11, Gen 2:7-9; 3:1-7, R\u00f6m 5:12-19)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>DER BAUM IN DER MITTE DES GARTENS<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aller guten Dinge sind drei! Drei Geschichten will ich erz\u00e4hlen. Aus dem Vollen gesch\u00f6pft. \u00c4hnlichkeiten sind beabsichtigt und nicht zuf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden hatten es gut. Bisher war ihnen alles in den Scho\u00df gefallen. Sie hatten ihr &#8211; Paradies. Aber es wurmte sie der Baum in der Mitte ihres Gartens. Seine Fr\u00fcchte waren verf\u00fchrerisch &#8211; sie aber sollten nicht von ihnen essen. Sie hatten so viel, sie hatten alles. Es fehlte ihnen nichts. Wenn doch nur dieser Baum nicht w\u00e4re! Erst umzingeln sie ihn. Ziehen ihre Kreise immer enger. Jetzt! Sollte Gott gesagt haben? Hat er. Aber sie h\u00f6ren die andere Stimme. Ihr k\u00f6nnt euch doch diese Fr\u00fcchte nicht entgehen lassen. Euch gehen die Augen auf. Alles, was euch noch fehlt, findet ihr hier. Was \u201cgut\u201d und \u201cb\u00f6se\u201d ist, werdet ihr erkennen. Wenn ihr diesen Schl\u00fcssel nicht habt &#8211; ist alles nichts. Und der Baum steht in der Mitte, ist sch\u00f6n anzusehen &#8211; zu sch\u00f6n, um die Finger von ihm zu lassen. Wie das so ist: alles ist auf einmal nichts. Jetzt! Das Gl\u00fcck!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie die Geschichte weiter geht? Eva ist nackt, Adam ist nackt. Was einmal ihr Vertrauen ausmachte, macht sie schwach. Hinter der Stirn ist kein Blick frei. Auf einmal gibt es Absichten, Interessen, Spiele um Macht und Einfluss, auf einmal gibt es Verd\u00e4chtigungen und Unterstellungen, gierige Blicke und nicht nur sexuelle Ausbeutung &#8211; Menschen machen sich zur Ware, werden k\u00e4uflich und m\u00fcssen sich st\u00e4ndig verstellen. Mehr: sie m\u00fcssen sich verstecken. Aber tragen nicht auch Lumpen feine Nadelstreifen? Die Feigenbl\u00e4tter lassen wir den Modemachern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wer ist schuld? Eva ist schuld, sagt Adam. Nicht ohne die s\u00fcffisante Bemerkung: \u201cdie du mir gegeben hast\u201d. Also: ist Gott schuld? Jetzt wei\u00df Eva zumindest, woran sie ist. Sie bekommt alles mit, die wei\u00dfe Weste wird offen getragen. Jedes Mittel wird ab jetzt recht sein. Hauptsache, die Schuld kann verschoben werden. Nichts wie weg. Und Eva muss das Spiel mitspielen. Die Geschichte der Menschen &#8211; eine Geschichte der Schuldzuweisungen. Die anderen. Die da oben. Die da unten. Die Fremden. Der schlechte Einfluss. Und so weiter. Was ist denn jetzt \u201cgut\u201d und \u201cb\u00f6se\u201d? Wenn alles relativ ist? F\u00fcr alles Argumente gefunden werden? Das B\u00f6se gut und das Gute b\u00f6se genannt wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollte ich noch von der Schlange reden? Das arme Vieh!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>VIERZIG JAHRE DURCH DIE W\u00dcSTE<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber hier kommt die zweite Geschichte. Menschen sind unterwegs. Der Chronist meint, es seien 40 Jahre gewesen, die das Volk Israel in der W\u00fcste verbracht habe. Aus \u00c4gypten sind sie aufgebrochen. Weg von der Unterdr\u00fcckung. Ein eigenes Land, eine eigene Geschichte, eine eigene Zukunft liegt vor ihnen. Aber was soll ich sagen? Der Weg ist beschwerlich. Die Menschen haben das Gef\u00fchl,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">endlos lange unterwegs zu sein. Sie gehen im Kreis. Sie verirren sich. Sie haben Hunger und Durst. Irgendwann k\u00f6nnen die Menschen ihre eigenen Geschichten nicht mehr h\u00f6ren. Sie reden, aber sie h\u00f6ren nicht mehr zu. Sie verkl\u00e4ren ihre<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lebensgeschichten, sind aber allein. Sie tr\u00e4umen, aber die Steine werden immer h\u00e4rter. Wenn jetzt etwas gedeiht &#8211; dann die Versuchungen. Der Chronist erz\u00e4hlt die Geschichten, die Verwirrungen und Ausbr\u00fcche. Mose ist schuld. Gott ist schuld. Mit dem haben die Menschen &#8211; offen gesagt &#8211; ihre gr\u00f6\u00dften Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Verborgenheit macht ihnen zu schaffen. Was er sagt &#8211; oder sagen l\u00e4sst &#8211; nicht weniger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sind Erfahrungen, die Menschen auf einem langen Weg machen, von einer besonderen Bedeutung. Es ist eine Ausnahmesituation, kein Alltag. Und doch stellt jeder Tag eine neue Herausforderung. Die Herausforderung, mit Angst umzugehen, aber auch die Langeweile auszuhalten, die Herausforderung, das Wichtige mitzunehmen, sich aber kein schweres Gep\u00e4ck aufzuhalsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahre sp\u00e4ter, l\u00e4ngst wieder mit der Routine, die den Lebensalltag auszeichnet, lassen sich Erinnerungen, vielleicht auch Lehren ziehen. F\u00fcr Israel hat es \u2013 unter anderem &#8211; eine Gruppe von Menschen gemacht, die das Buch Deuteronomium geschrieben haben. Da hei\u00dft es <em>(<\/em><em>Dtn 8:1-6<\/em><em>)<\/em>: \u201cIhr sollt auf das ganze Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, achten und es halten, damit ihr Leben habt und zahlreich werdet und in das Land, das der Herr euren V\u00e4tern mit einem Schwur versprochen hat, hineinziehen und es in Besitz nehmen k\u00f6nnt. Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich w\u00e4hrend dieser vierzig Jahre in der W\u00fcste gef\u00fchrt hat, um dich gef\u00fcgig zu machen und dich zu pr\u00fcfen. Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden w\u00fcrdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht. Durch Hunger hat er dich gef\u00fcgig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine V\u00e4ter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht. Deine Kleider sind dir nicht in Lumpen vom Leib gefallen und dein Fu\u00df ist nicht geschwollen, diese vierzig Jahre lang. Daraus sollst du die Erkenntnis gewinnen, dass der Herr, dein Gott, dich erzieht, wie ein Vater seinen Sohn erzieht. Du sollst auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, achten, auf seinen Wegen gehen und ihn f\u00fcrchten.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird ausgesprochen, das Gott Menschen auf die Probe stellt, sie also \u201cversucht\u201d &#8211; bei allem, was sie erleben oder erleiden: der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht. Dabei steht Brot f\u00fcr alles, was wir Menschen im Leben brauchen: f\u00fcr Essen, Kleidung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freundschaft, Arbeit, Spa\u00df &#8211; und Gottes Wort steht f\u00fcr Verhei\u00dfungen, die \u00fcber den Tag hinausf\u00fchren, f\u00fcr Vergebung, die neue Anf\u00e4nge m\u00f6glich macht, f\u00fcr Weisheit, das Gute zu finden und das B\u00f6se zu entlarven. Auf einem gemeinsamen Weg, einer dicht beim anderen, teilen Menschen das Brot und das Wort. Dieser Blick in die Vergangenheit er\u00f6ffnet Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>EIN MENSCH, DER UM SEINEN WEG RINGT<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine lange Geschichte geworden. 40 Jahren angemessen? Aber waren es 40 Jahre? Vierzig steht f\u00fcr eine dichte Zeit, in der Menschen alles erlebt haben, was sie erleben konnten &#8211; mit sich, mit anderen, mit Gott. Matth\u00e4us, der Evangelist, verkn\u00fcpft seine Geschichte &#8211; die Geschichte von der Versuchung Jesu &#8211; mit den W\u00fcstenerfahrungen des Volkes Israel. 40 Tage! Und so geht es in dieser Geschichte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus fastet. Er denkt \u00fcber seinen Weg nach. Er steht erst am Anfang. Was ist denn sein Auftrag? Was soll, was kann er machen? Exerzitien sozusagen. Gut, Jesus so zu sehen. Nichts ist hier abgehoben. Wir sehen einen Menschen, der um seinen Weg ringt. In der Einsamkeit, ohne Gespr\u00e4chspartner, begegnet ihm der Versucher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verwirrer, Zerstreuer &#8211; so l\u00e4sst sich sein Name \u00fcbersetzen. Er \u00fcbernimmt die Rolle, Alternativen einzufl\u00fcstern: aus Steinen Brot zu machen &#8211; von der Zinne in die Tiefe zu st\u00fcrzen und doch aufgefangen zu werden &#8211; sich die ganze Welt zu F\u00fc\u00dfen legen zu lassen. Und: es sind Alternativen! Abbrechen und essen, ja, sogar aus Steinen Brot erstehen lassen. Das Risiko eingehen und etwas Gro\u00dfes wagen. Eben ein Sprung in die Tiefe. Gott auf die Probe stellen. Einfach mal testen, wie weit der Glaube reicht. Und dann alles nehmen, was es zu nehmen gibt. Alle Reicht\u00fcmer dieser Welt stellt der Verf\u00fchrer vor. Ein weiter Blick. So weit das Auge reicht: es k\u00f6nnte dir geh\u00f6ren &#8211; du musst nur wollen. Es sind M\u00f6glichkeiten den Weg weiterzugehen &#8211; auch f\u00fcr Jesus &#8211; aber es w\u00e4re nicht mehr der Weg, der Gott zu den Menschen und Menschen zu Gott bringt. Es w\u00e4re nicht der Weg, \u00fcber den der Gl\u00fcckwunsch geschrieben werden k\u00f6nnte: Gl\u00fccklich der Mensch, der vor Gott arm ist &#8211; ihm geh\u00f6rt das Himmelreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wird Jesus sich entscheiden? Was ist sein Weg? In dieser Geschichte, Szene f\u00fcr Szene, wird ihm klar, was seine Berufung ist. Jesus wehrt den Verwirrer ab, weist ihn von sich &#8211; mit Worten, die geschrieben sind. Auf die er nur verweisen muss. Die schon eine Geschichte mit Menschen haben. Worte, die eine Verhei\u00dfung haben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein &#8211; Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen &#8211; Du sollst Gott allein dienen. Hier sehen wir die Entscheidung reifen. Zu diskutieren, abzuw\u00e4gen ist da am Ende nichts. Das macht diese Geschichte, diesen Weg so klar!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einigen Jahren erregte ein Film Aufsehen und \u00c4rgernis. \u201cDie letzte Versuchung\u201d. Der Film erz\u00e4hlt die Geschichte Jesu, auch die Begegnung mit dem Teufel in der W\u00fcste. Aber die Alternative, den Weg nicht &#8211; oder nicht zu Ende &#8211; gehen, stellt sich am Kreuz wieder. Die Menge johlt: Steig vom Kreuz &#8211; wenn du Gottes Sohn bist. Die letzte Versuchung. Im Film bricht Jesus seinen Weg am Kreuz ab &#8211; und landet in den Armen einer Frau. Fromme Gem\u00fcter erhitzten sich, als sie das sahen. Aber verstanden sie, was der Film mit seinen bescheidenen Mitteln erz\u00e4hlte? Als Alternative zeigte? Dass unsere Erl\u00f6sung auf dem Spiel stand &#8211; als Jesus um seinen Weg rang. Zuletzt sogar gottverlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>MIT GOTTES WORT DEN WEG NEU FINDEN<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Geschichten. Geschichten, in denen es um Versuchung geht. Der tiefere Sinn des Wortes erschlie\u00dft sich, wenn es um \u201cVersuche\u201d geht, die wir Menschen machen. Es geh\u00f6rt zu unserem Leben, Grenzen zu \u00fcberwinden, Durststrecken zu \u00fcberstehen und uns Ziele zu setzen. Wir testen unsere F\u00e4higkeiten, unser Selbstvertrauen aus, aber auch die \u201cLeidensf\u00e4higkeit\u201d und Treue anderer Menschen. Wir brauchen den Mut zum Risiko und wagen Gro\u00dfes. Wir lassen uns den Baum in der Mitte des Gartens nicht verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute bitten wir darum, dass wir \u201cgut\u201d und \u201cb\u00f6se\u201d erkennen &#8211; ohne uns gegenseitig Feigenbl\u00e4tter machen zu m\u00fcssen. Heute bitten wir darum, auf unserem Weg nicht der Versuchung zu erliegen, mit Brot genug zu haben (und alles, was mit Brot gemeint ist). Heute bitten wir darum, \u00fcber unseren Weg Klarheit zu finden. Denn das erz\u00e4hlt die Geschichte, die im Paradies anf\u00e4ngt und in der W\u00fcste endet: wir sind Menschen, die Wunder brauchen, Beweise f\u00fcr ihr Vertrauen suchen und sich blenden lassen von Reichtum, Sch\u00f6nheit und Macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Geschichten. Geschichten, in denen es um Versuche geht. Ich habe mir vorgenommen, in den n\u00e4chsten 40 Tagen bewusst dar\u00fcber nachzudenken, was ich verliere und was ich gewinnen kann. Wenn ich mit Gottes Wort meinen Weg wieder neu finde. Aller guten Dinge sind drei!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>SEGEN: <\/em>Der Ewige, <em>gelobt sei sein Name<\/em>,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">begleite dich, wenn dich dein Weg in die W\u00fcste f\u00fchrt. Der Treue, <em>gelobt sei sein Name<\/em>, sei dir nahe, wenn du an die Grenzen deines Vertrauens kommst. Der Barmherzige, <em>gelobt sei sein Name<\/em>, fange dich auf, wenn du den Halt unter deinen F\u00fc\u00dfen verlierst. Im Namen des Vaters<strong>+<\/strong> und des Sohnes<strong>+<\/strong> und des Heiligen Geistes<strong>+<\/strong>. Amen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seneschall Matthias David<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Predigtgedanken zum 1. Fastensonntag Mt 4:1-11, Gen 2:7-9; 3:1-7, R\u00f6m 5:12-19) DER BAUM IN DER MITTE DES GARTENS Aller guten Dinge sind drei! Drei Geschichten will ich erz\u00e4hlen. Aus dem Vollen gesch\u00f6pft. \u00c4hnlichkeiten sind beabsichtigt und nicht zuf\u00e4llig. 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