EINHEIT

Dreißig Jahre „Deutsche Einheit“, ein Feiertag, ein Gedenktag, ein Danktag. Am 3. Oktober 1990 endete die Trennung in zwei deutsche Staaten. Die alte Grenzlinie, oft ein Todesstreifen, wurde inzwischen vielerorts eine Lebensinsel für seltene Pflanzen und Tiere. Eine junge Generation ist herangewachsen, die mit Westpaketen und Ostverwandtschaft, mit Zonengrenze und Mauer nichts verbindet. Der Blick geht nach vorn in die Zukunft eines geeinten Landes. Dennoch hilft auch der Blick zurück auf eine friedliche Revolution mit Gebeten und Kerzen. Das hatte die Welt noch nicht gesehen, was die Deutschen da vollbrachten. Ein Grund zum Dank für die Einheit. Es ist eine Einheit in Vielfalt vom Rhein bis zur Oder, von Ostfriesland bis zum Ostallgäu. Unterschiedliche Kochrezepte, Dialekte und Mieten. Und gewiss, vieles hätte damals und in den Jahren danach besser laufen können.

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GRUND ZU DANKEN

MILCH VON DER KUH

In den 1970er Jahren organisierte die Kirche, dass in den Ferienmonaten hunderte von Kindern aus den Großstädten zur Erholung aufs Land z.B. in die Oberlausitz eingeladen wurden. Mehrere Jahre hindurch kam ich auf den Hof einer christlichen Familie in Wittichenau. Bei meinem ersten Aufenthalt war ich zehn Jahre alt. Das anfängliche Heimweh war bald verflogen, denn bald hatte ich gleich mehrere “Geschwister” und auf dem Bauernhof gab es für das Großstadtkind viel zu entdecken.

Meine Gasteltern hielten damals keine Kühe mehr. Die Milch holten wir bei den Nachbarn. Dort konnte ich auch zusehen, wie die Nachbarin ihre Kühe mit den Händen melkte. Mir war das nicht geheuer, denn daheim kam die Milch aus dem Kühlschrank. Und wenn keine mehr da war, kaufte man sie im Laden. Anfangs weigerte ich mich daher, Milch von der Kuh zu trinken…

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