GOTT KOMMT IN DIE DUNKELHEIT MENSCHLICHEN LEBENS

(Predigtgedanken zum 1. Advent: Mt 24:29-44, Jes 2:1-5, Röm 13:11 – 14a)

In der dunklen Jahreszeit sorgen wir für viel Licht. Trotzdem bleibt das Leben für manchen Menschen dunkel. Gott kommt in unser Leben, um es hell zu machen.

HELL UND DUNKEL

Beim Spazierengehen fallen mir in den letzten Tagen vor allem die hell erleuchtenden Fenster auf. Kerzen und Lichterketten machen die Dunkelheit der Nacht ein Stück heller. Nicht wenige von uns haben in den letzten Tagen die Zimmer und Fenster ihrer Wohnungen und Häuser geschmückt. Es sieht oftmals wunderschön aus. Gemütlich und anheimelnd. Und doch frage ich oft: Können die Menschen, die hinter diesen Fenstern leben, dies eigentlich wirklich genießen.

Ich begegne im Laufe eines Jahres vielen Menschen. In ganz unterschiedlichen Situationen. Voller Freude und Hoffnung, traurig und niedergeschlagen, gehetzt und müde. Immer häufiger treffe ich dabei auf Menschen, denen es schwer fällt, mit den vielfältigen Herausforderungen des modernen Lebens umzugehen. Die immer größer werdenden Anforderungen des Berufes machen viele Menschen einfach fertig. Wer Kinder hat, möchte nicht nur, dass sie möglichst gut in der Schule sind, sondern auch noch Sport treiben, ein Musikinstrument lernen oder möglichst früh eine Fremdsprache lernen. Für manches Elternteil zusätzliche Hektik im Alltag. Und dann begegne ich wieder anderen, die sich mittlerweile aufgegeben haben. Die sich um nichts mehr kümmern, sich zurückziehen und kein Interesse an ihrer Umwelt haben. Dazu kommen oft Probleme mit Alkohol oder Drogen. Mit anderen Worten: Es sind nicht nur die Nächte draußen, die dunkel sind. Auch im Leben vieler Menschen, gibt es graue Wolken, schwierige Lebensphasen und dunkle Tage. Darüber können auch die schön geschmückten Fenster nicht immer hinwegtäuschen.

WIE HEUTE WACHSAM SEIN?

Wenn ich dann den Text des heutigen Evangeliums höre, frage ich mich natürlich schon: Macht es sich Christus nicht doch etwas zu einfach, wenn er uns zwar zur Wachsamkeit ermahnt, aber keine Hilfen anbietet? Wie sollen wir das machen? Dunkle Fenster und finstere Marktplätze lassen sich nämlich schnell hell machen. In meinem Leben ist das schon schwieriger.

Aber es geht. Und das hängt mit dem zusammen, was wir an Weihnachten feiern. Und auf das wir uns jetzt im Advent vorbereiten. Gott ist nämlich unser Schicksal nicht egal. Es ist ihm nicht „wurscht“, wenn wir vor Stress und Hektik nicht mehr aus den Augen sehen können oder zu denen gehören, die sich aufgegeben haben. Gott hat uns für das Glück geschaffen. Unser Leben soll gelingen.

GOTT KOMMT IN DIE DUNKELHEIT MENSCHLICHEN LEBENS

Deshalb kommt er uns entgegen. Kommt in die Not und Dunkelheit jedes einzelnen Menschen auch in mein Leben. Damit wird auch klar: Es geht nicht in erster Linie darum, die Erinnerung an ein historisches Ereignis zu feiern, das sich vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall in Bethlehem zugetragen hat. Wir machen uns in der Adventszeit gemeinsam auf den Weg, Gottes Gegenwart im eigenen Leben wieder neu zu suchen und zu entdecken. Der adventliche Blick richtet sich nicht in die Vergangenheit, sondern in die Gegenwart meines eigenen Lebens.

Er kommt allerdings in Achtsamkeit und Zärtlichkeit. Er liebt mich erst einmal so wie ich bin und sieht meine innere Not und Zerrissenheit. Er verachtet mich nicht, weil ich im Moment mein Leben nicht im Griff habe, und setzt mich deshalb nicht unter Druck. Er streckt seine Hand aus und legt seinen Arm um mich. Damit ich mich anlehnen und Halt finden kann in meinem Leben.


Er möchte die, die mutlos geworden sind und sich aufgegeben haben aufrichten: Versuche es noch mal! Gib Dir noch eine Chance! Du kannst es schaffen!

Vielleicht fragt er uns, die wir uns von Hektik und Stress des Alltags so sehr gefangen nehmen lassen, woher wir eigentlich unser Selbstbewusstsein beziehen? Nur aus einem vollen Terminkalender? Den vielen Aufgaben? Oder gibt es da noch etwas Anderes? Wäre weniger nicht mehr?

Die adventlichen Tage können eine gute Chance sein, nach der liebenden Hand Gottes, die er meinem Leben entgegenstreckt, neu zu suchen. Meine Wachsamkeit für seine Gegenwart zu schärfen. Dann sind nicht nur die Fenster meiner Wohnung hell, sondern mein ganzes Leben.

Seneschall Matthias David