Johannes der Täufer

Wegbereiter für den Messias

Wendepunkte

Manchmal zeichnet sich was Neues ab, ein Wendepunkt steht bevor. Man spürt es direkt, es liegt was Neues in der Luft. Das kann im Kleinen, Persönlichen sein. Das kann aber auch die Menschheit betreffen und der Geschichte eine ganz andere Richtung geben.

Um so was geht es heute, am Fest des Hl. Johannes des Täufers. Es ist ein Hochfest und verdrängt sogar den Sonntag. Darum muss das Neue schon sehr Gewicht haben. Und das hat es auch!

Besondere Ereignisse

Da gibt es besondere Ereignisse um und mit Johannes, die etwas Neues ahnen lassen:

Johannes ist nicht ein normales Kind, sondern ein Engel Gottes kündigt seine Geburt an und sagt Großes von Ihm voraus: Er wird groß sein vor dem Herrn.Seine Eltern sind schon alt und Zacharias kann der Botschaft des Engels nicht glauben. Daraufhin wird er stumm bis zur Geburt seines Sohnes.

Auch um den Namen des Kindes hat es eine besondere Bewandtnis. Es ist der Brauch, der älteste Sohn bekommt den Vornamen des Vaters und so heißt auch der Großvater und der Urgroßvater. So hat sich bei manchen direkt ein fester Familienvorname herausgebildet. So wollte man auch diesem Kind den Namen seines Vaters Zacharias geben. Doch völlig unerwartet sagte Elisabeth: „Nein, Johannes soll er heißen.“ Und der frisch gebackene Vater, der stumm war, bestätigte das, indem er auf ein Wachstäfelchen schrieb: „Johannes ist sein Name“. Dieser Name bedeutet: „Gott ist voll Gnade zu uns Menschen“

Auch hat man bald entdeckt, dass die Geburt dieses Kindes schon weit zurück beim Propheten Jesaja angekündigt war. Wir haben dies in der Lesung gehört. „Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen.“ (Jes 49.1). Das geht auf Johannes hin.

Das alles deutet hin auf einen Wendepunkt, auf etwas Neues, eine neue Zeit, die eingeleitet wird.

WER oder WAS ist das Neue?

Es geht das Gerede um, Johannes sei der Messias, der angekündigt ist und sehnlichst erwartet wird. Johannes selbst wehrt ab und nennt sich den Wegbereiter für den anderen: „Ich bin nicht wert IHM dies Schuhriemen zu öffnen.“ „Ich muss abnehmen, ER aber muss zunehmen.“

Verwirrung stiftet noch, dass sich Jesus – das ist der, der da kommen soll – bei Johannes taufen lässt. Aber es wird klar, dass dies eine Umkehrtaufe ist, Jesus aber im Hl. Geiste taufen wird.

So steht Johannes am Wendepunkt einer ganz neuen Zeit. Er ist der letzte Prophet und Gesandte Gottes im Alten Testament und steht an der Schaltstelle zu etwas ganz Neuem. Er ist der Prophet mit dem Namen Johannes – „Gott ist voll Gnade“. Dieser Name ist also Programm für Johannes: Wegbereiter sein für Gott, der voll Erbarmen ist für die Menschen. Lebendig wird dieses Wort „Gott ist voll Gnade“  in Jesus Christus, in dem der Auserwählte, der Messias, der Erlöser der Welt erkannt wird. Johannes hat sehr viel dazu beigetragen; dass Jesus als solcher erkannt worden ist. Er selber war lange unsicher. Aber dann lässt er sogar sein Leben für IHN.

Wendepunkte in unserm Leben

Das ist natürlich ein ganz gewaltiger Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte.

Wir heben diesen Wendepunkt auch heraus, indem wir von der Zeit vor Christus und nach Christus sprechen, vom 1. Testament und vom 2. Testament. Aber nicht vergessen: zu unserer Heilsgeschichte gehören beide Testamente, nicht nur das seit Jesus.

Auch in unserem Leben passieren Wendepunkte, wo uns auf geht, was der Name Johannes bedeutet: Gott ist voll Gnade zu mir:

Ich persönlich denke an die Berufsentscheidung. Ich bin auch wie alle anderen Jugendlichen aufgewachsen. Doch dann kam der Wendepunkt, ausgelöst durch die Frage von jemandem: „Könntest nicht auch du …“ wo mich dieses Wort:

„Gott ist voll Gnade“ nicht mehr losgelassen hat und ich mich in seinen Dienst gestellt habe. Es ist schon etwas Großartiges, Wegbereiter für IHN zu sein.

So ein Wendepunkt kann auch das Hören oder Lesen einer Stelle im Evangelium sein. Lange Zeit macht man sich nichts daraus und auf einmal erschließt sich uns ein Sinn, der das Leben verändert, weil uns aufgeht, der Name „Gott ist voll Gnade!“ stimmt tatsächlich und ich darf darauf bauen.

Auch der Sonntag kann zu so einem Wendepunkt werden, wo ich herauskomme aus dem Alltagstrott, aus der Meinung, wir Menschen müssen das ganz Leben verantworten und selber machen. Die Wende ist: Wir sind Menschen, die ihr Leben nach dem Sonntag richten dürfen. Wir dürfen ganz auf den Namen setzen: Gott ist voll Gnade zu den Menschen.

So kann auch heute bei jedem dieser Name Johannes ‚Gott ist voll Gnade’ zu einem Wendepunkt des Lebens werden.

Nicht von ungefähr liegt das Fest Johannes des Täufers an der Sommersonnenwende, ein echter Wendepunkt im Jahr. Jetzt sind es noch genau 6 Monate hin zu Geburt des Messias, wo der Name ‚Gott ist voll Gnade’ lebendig wird.

Ordensbruder Matthias David, Ordensgeistlicher