SEI NICHT DUMM …

(Predigtgedanken zum 5. So.i.Jkr. / Sexagesimä, Mt 5:13-16, Jes 58:7-10, 1 Kor 2:1-5)

Jesus fordert in der sog. Bergpredigt seine Jünger auf, Salz und Licht zu sein. Diese beiden Bildworte können heute verstanden werden als Aufforderung nicht »geschmacklos» und ein »heller Kopf« zu sein. – Das Christentum ist eine Bildungsreligion.

TORA UND BERGLEHRE

Gott schreibt die TORA (=Wegweisung) ins Herz der Israeliten, um sie von innen her, also von ihrem Denken und von ihrer Einstellung her zu gewinnen. Das Gesetz ist dann kein Fremdkörper mehr, sondern führt zu pulsierendem Leben: „Damit sie das Leben in Fülle haben.“ (Joh.10,10).

Tora und Berglehre hängen eng zusammen. Wir werden in den kommenden Sonntagen einige Stellen aus der Berglehre hören. Die Berglehre ist kein Allround-Sicherheitspaket, sondern Jesus lehrte, wie einer der Vollmacht hat. So können wir sagen: Das Christentum ist eine Bildungsreligion. Jesus lehrt an verschiedenen Orten, in Einzelgesprächen, bei verschiedenen Lebenssituationen, in Gleichnissen.

„De sermone Domine in monte“ heißt übersetzt: Berglehre. Erst Augustinus spricht im 5. Jh. von der Bergpredigt. Worüber werden wir an diesem Sonntag unterrichtet? Es geht um ein Doppelbildwort vom Salz und vom Licht. Beide Bilder haben auch für uns Aktualität.

SALZ

Das Salz diente zur Zeit Jesu zur Aufbewahrung und zum Erhalt von Fleisch bzw. leicht verderblicher Lebensmittel. In diesem Bild liegen zwei Anliegen des Evangeliums, die nicht leicht zu finden sind: Das Gesetz im Liebesgebot Gott und den Menschen gegenüber aufzubewahren, es hochzuhalten, nicht auf moralisierende Weise, sondern beispielhaft in den Werken der Nächstenliebe, in den noch so kleinen Aufmerksamkeiten des Alltags, um dem Leben Geschmack zu geben.

Oftmals sprechen wir in manchen Lebenslagen vom „schlechten Beigeschmack“. Das Evangelium führt dieses Bild weiter, wenn es vom „schalen Salz“ spricht, das seine Aufgabe nicht erfüllt. „schal sein“ heißt geschmacklos, „dumpf“ sein, noch deutlicher „dumm“ sein. Ein Schüler Jesu darf nicht dumm sein, vielmehr sollen sie klug und weise sein bzw. werden. „Sapientia“ meint Weisheit, Einsicht, Klugheit, das Zeitwort dazu ist „sapere“ = schmecken, unser Wort „sabbern“ leitet sich davon ab, weil etwas gut schmeckt und riecht.

Die Umgebung der Christen soll gleichsam Geschmack dafür bekommen, wie anziehend und froh machend die Botschaft Jesu ist, dass es sich lohnt, nach ihr zu leben, somit dem Leben Geschmack zu verleihen und klug zu sein. Klugheit bedeutet Lebendigkeit des Geistes, Sinn für die Wahrheit und die Wirklichkeit zu haben. Klugheit ist nie gesicherter Dauerbesitz, muss ständig neu erworben werden. Das meint das Bild vom „Salz der Erde“.

LICHT

Ihr seid das Licht der Welt“. Jesus sagt das auch von sich selber: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh.8,12). Anders gesagt: „Hell auf der Platte“, wach im Geist sein. Da gibt es schon große Ähnlichkeiten zum vorhergehenden Bild. Noch pointierter ausgedrückt: „Sei kein Armleuchter“, kein Dummkopf. Besonders in dunklen Zeiten – nicht nur was den Winter mit den langen Nächten betrifft – sehnt sich der Mensch nach Licht. Vor allem in den Dunkelheiten des Lebens in Beziehungskrisen, Misserfolgen oder Schicksalsschlägen wollen wir Licht, das auch Wärme gibt, ein Licht, das von mitfühlenden und helfenden Menschen ausgeht. Der Evangelist Johannes spricht davon, dass „die Finsternis das Licht nicht erkannt hat.“ (Joh.1,4-5). Vor lauter Sorgen und Trauer wird auch in unserem Dasein dieses Licht nicht sichtbar.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hinterlässt uns ein Gebet, das diese Situation gut darstellt:
In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede.
In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. – Amen.

Seneschall Matthias David