AUSSPÄHEN NACH DEN LETZTEN GEHEIMNISSEN

(Predigtgedanken zum 7. Sonntag in der Osterzeit / Exaudi, Joh 17:1-11a;                   Apg 1:12-14; 1 Petr 4:13-16)                                                                                      

INTIME ZWIESPRACHE

Das Evangelium, das wir gehört haben, führt uns in eine alte Geschichte – und nimmt uns mit in die Leidensgeschichte Jesu. Im Garten Gethsemane – die Jünger können die Augen nicht mehr aufhalten – ringt Jesus um seinen Weg, er ringt mit Gott. Er betet: Vater, wenn es dein Wille ist, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen – Am Ende wird er ihn bis zur Neige leeren, Gott seine Verlassenheit klagen und am Kreuz sterben.

Johannes lässt uns heute, am letzten Sonntag der Osterzeit, in ein Gebet Jesu hineinhorchen. Wie Vertraute werden wir zu Zeugen einer intimen Zwiesprache zwischen Jesus und seinem Vater. Dabei können wir auch sein Leiden in einem neuen Licht sehen – im Licht von Ostern. Dabei fällt viel Licht auf uns, auf unser Leben.

                                                                              ERKENNEN UND GLAUBEN

Ein Zauberwort unserer Zeit ist: Erkenntnis. Nein, das reicht noch nicht.

Wissenschaftliche Erkenntnis muss es sein. Das verspricht den neuesten und gesicherten Stand – und den Wissenschaftlern Anerkennung, einen guten Namen – und vielleicht sogar Ruhm. Nichtwissenschaftliche Erkenntnis ist weniger

wertvoll, riecht nach Vermutung oder kann einfach keine Autorität beanspruchen.

Zugegeben: wir können dankbar sein für hohe Standards. Für kluge Menschen.

Für die Leidenschaft, mit der geforscht wird. Nur: gibt es für alles und jedes – eine wissenschaftliche Erkenntnis? Lässt sich unser Leben in wissenschaftlichen Erkenntnissen sichern? Die Welt wissenschaftlich vereinnahmen? Ist unsere Sehnsucht nicht größer?

Johannes hat eine Spur für uns. Der Erkenntnis misst er einen überaus hohen Stellenwert zu. Aber er sieht weiter als Statistiker, Laboranten und Analysten:

Wenn schon Erkenntnis, dann Erkenntnis, die ewiges Leben schenkt. Billiger, bescheidener, vorsichtiger geht es nicht! Jesus betet: “Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast”. Was uns wie Gegensätze erscheint, ist hier einvernehmlich versammelt. Erkennen und Glauben sind zusammengewachsen. Was Leben

schenkt, ist, die Sendung, den Auftrag, das Wirken Jesu zu erkennen – und hinter ihm Gott am Werk zu sehen. Beweise? Sieh doch, was Jesus getan und gesagt hat – sagt Johannes. Und lässt uns das Gebet hören, dass Jesus betet.

                                                                                       JESUS, GOTT UND DIE MENSCHEN

Ein Wort kommt in diesem Gebet immer wieder vor: verherrlichen. Wir übersetzen das für uns mit: großartig, einmalig, besonders. Das ist dann schon die Steigerung – zu den vielen kleinen Brötchen, die wir tagein-tagsaus backen. Wir brauchen die

Erfahrung, die uns aufhebt, über uns hinaussehen lässt, den Alltag durchbricht. In vielen Erkenntnissen drückt sich der Wunsch aus, das Unmögliche möglich zu machen, letzte Geheimnisse auszuspähen, sich mit dem Erreichten nicht zufrieden zu geben.

Jesus betet. Er erbittet, verherrlicht zu werden. Alles, was er sagt und tut, verherrlicht den Vater. Jesus erzählt sozusagen sein Leben, lässt sein Werk Revue passieren. Die Menschen, denen er das Reich Gottes schenkt, werden zu Anwälten seines Wortes. Und dann kommt, was kaum zu fassen ist: Jesus sieht

sich in den Menschen verherrlicht, die sein Wort annehmen. Das Wort “verherrlichen” bringt Jesus, Gott, Menschen zusammen. In diesem Gebet sind die Grenzen aufgehoben. Was auch heißt: Gottes Herrlichkeit ist ein Glanz auf unserem Leben. Doch bleiben wir noch einmal bei dem Wort “verherrlichen”. Das ist kein Status, keine Beschreibung. Es ist ein Tun. Es soll verherrlicht werden! Für mich heißt das: sich gegenseitig “Großmachen”, an der Ehre des anderen wachsen, mit sich selbst nicht genug haben. Das lässt sich auch so buchstabieren:

Gott macht mich groß – ich mache Gott groß. An der Ehre Gottes werde ich Mensch – Gott schenkt mir die Ehre, zu ihm zu gehören. Ich bin ohne Gott nichts –

Gott braucht mein Lob. Tiefer lässt sich die Gemeinschaft nicht aussprechen – wie hier im Gebet Jesu. So kommt von dem Wort “Verherrlichung” ein Glanz, der auch einfaches menschliches Leben schön macht – und Gott auch.

                                                                                “SCHÖN SIND DEINE NAMEN”

Das Evangelium, das wir gehört haben, führt uns in eine alte Geschichte – und nimmt uns mit in die Leidensgeschichte Jesu. Im Garten Gethsemane, die Jünger können die Augen nicht mehr aufhalten, ringt Jesus um seinen Weg, er ringt mit Gott. “In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.”

Amin.

Seneschall Matthias David