Predigtgedanken zum 4. Advent

Über die Feiertage hatten wir leider technische Probleme und konnten unsere Beiträge nicht veröffentlichen. Dies wollen wir aber nachholen und wünschen auf diesem Weg allen Mitgliedern Freunden und Förderern ein frohes Fest und einen guten Start in das neue Jahr.

Unser Ordensbruder Mathias hat uns seine Gedanken zum 4. Advent zukommen lassen.

»Ich bin bei euch alle Tage!«

Zeig mir, was du hast …

Wer hin und wieder vor dem Fernseher sitzt und in den Pausen eines Spielfilmes mit den Werbesendungen beglückt wird, kennt vielleicht auch jene Szene. Da sitzen sich zwei Männer gegenüber und stellen einander ihre Lebenserfolge vor: ihre Häuser, ihre Yachten, ihre Hobbys, ihre Erfolge bei den Frauen. All das, so verspricht es die Werbung, gelingt problemlos mit Hilfe der Bank, welche jenen Fernsehspot geschaltet hat.

Warum, so mag man sich hin und wieder dabei schon mal die Frage stellen, muss man eigentlich teure Bankgeschäfte eingehen, um an völlig überrissene Lebensumstände zu gelangen, deren Finanzierung einem doch eh wieder einen großen Teil des Glücks raubt, das da verheißen wurde. Welcher vernünftige Mensch kann ernsthaft der Versuchung erliegen und sich auf solche Angebote einlassen? Wer so fragt, übersieht manches. So zum Beispiel, dass gegenwärtige gesellschaftliche Situationen einfordern, dass Menschen in Trends leben und in einem solch trendigen Leben mithalten können. Studien machen deutlich, dass vor allem Jugendliche oftmals um ein Vielfaches über ihre finanzielle Grenzen hinaus leben. Ein beachtlicher Teil von Auszubildenden ist bereits verschuldet.

Was soll das, mag man immer wieder kopfschüttelnd fragen.

… und ich sag dir, wer du bist?

Fragt man Jugendliche und Erwachsene, die völlig im so genannten Trendsetting aufgehen, stellt man fest: Es herrscht ein unglaublicher Druck von inneren und äußeren Umständen. Da sind zum einen Erwartungen der Umwelt an ein Leben, das immer völlige gesellschaftliche Präsenz vorweisen kann. Wer sich aus seinen Kreisen und Beziehungen zurückzieht, wer nicht ständig zu sehen ist, gerät in Vergessenheit, ist oftmals durchgefallen. Wer sich dann nach Menschen umschaut und nach jenen fragt, nach denen keiner mehr fragt, liegt selbst schon längst nicht mehr im Trend. Zum anderen sind immer wieder Suchende zu erleben, die kaum aushalten können, dass sie nicht immer präsent sein können, dass es ihnen nicht gelingt, innerhalb von Gesellschaft und Beziehungen immer oben zu schwimmen. Menschen leiden darunter, dass sie den Normen nicht entsprechen, von denen oft niemand weiß, wer denn diese Normen gesetzt hat und warum es sie gibt. Gepflogenheiten, die unter Menschen da sind, haben eine ungeheure Kraft.

Was ist der Mensch? (Ps 8,5a)

Dazu gehört nicht nur das Leben in der Gegenwart, sondern auch das der Vergangenheit. Woher man kommt, die Zusammenhänge, die uns geprägt haben, sind nicht nur einfach Tatsachen, die uns im Leben mitgegeben sind, sondern sie werden zum Wert eines Menschen. Zukunftsperspektiven und Visionen, die wir äußern, erlauben anderen eine Meinung zu unserer Zukunftsfähigkeit, selbst wenn diese Ideen weit außerhalb der Möglichkeiten und Grenzen eines Menschen liegen und die Versuche ihrer Verwirklichung zum ständigen Frusterlebnis werden.

Konventionen, die die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unseres Lebens ausmachen, können zu unerträglichen Lasten werden. Das heutige Evangelium erzählt von einem Mann, der dieses auch hat schmerzlich feststellen müssen. Ein gewöhnlicher, gut situierter Zimmermann mit Bürgerort Bethlehem und Wohnstatt Nazareth hat die Frau seines Lebens gefunden, um nun endlich tun zu können, was Männer seines Alters und seiner Herkunft für gewöhnlich tun: nämlich eine Familie zu gründen, die Jungen heranwachsen zu sehen und in fernen Jahren einmal die Geschäftsübergabe an die nächste Generation zu planen. Alles war so einwandfrei: Über seine Herkunft hören wir nichts Untadeliges, seine Gegenwart schien gesichert und die Zukunft gut vorbereitet.

Und dann kommt alles ganz anders. Ein Wende im Leben des unbescholtenen Josef zeichnet sich ab, als seine Frau schwanger wird und das unter merkwürdigen Gegebenheiten. Der Zimmermann, voller Pläne und Wünsche, sieht sich grübelnd vor einem Scherbenhaufen seiner Vorstellungen. Die Lebensvision des Josef bricht vollständig zusammen, als sich mitten in diesem Geschehen Gott selbst zu erkennen gibt und sein Handeln ankündigt. Danach beginnt eine Odyssee über Bethlehem und Stationen in Ägypten, die ihn erst später wieder in geordnete Verhältnisse nach Nazareth zurückkehren lässt.

Die Ordnung Gottes ist chaotisch

Wo Gott ins Leben der Menschen tritt, geht`s drunter und drüber. Das kennen wir bereits aus vielen Offenbarungsgeschichten der Hl. Schrift. Der Zimmermann aus Nazareth aber erfährt nun, dass dieses Einmischen Gottes in sein Leben, dieses anscheinende Chaos ein Gesicht und einen Namen hat, der für immer nachklingen wird und der die Menschen prägen soll. Was sich in den Berufungen und Visionen der Propheten durch Träume ankündigt, das vollendet sich nun in dieser Offenbarung Gottes.

Josef erfährt, dass Gottes Wirken in seinem Leben als ein Mensch mit einem Namen erscheinen soll und dieser Name ist Programm, – für Josef, für seine Verlobte bis zu uns in unsere Zeit: Immanuel – Gott mit uns.

Wenn Gott mit uns ist, dann hat das Konsequenzen. Wenn Gott mit uns ist, sind alle Konventionen erst einmal in Frage gestellt, wenn Gott mit uns ist, werden Trends im Leben der Menschen unwichtig. Wenn Gott mit uns ist, spielt das Woher und Wohin der Lebenswege der Menschen keine Rolle mehr.

Eine Verheißung mitten in dieser Welt

Und doch wissen wir nur allzu gut: Wir sind als Menschen nicht aus unseren menschlichen Bezügen herausgerissen. Wir werden stets geprägt von dem, was uns umgibt. Wir werden weiter nach unserer Vergangenheit gefragt, in der Gegenwart begutachtet und auf Zukunftsfähigkeit getestet werden. Und wir werden dasselbe auch mit anderen Menschen machen. Das ist ja schließlich vielfach auch gut und richtig so.

Doch letzte Dreh- und Angelpunkte unseres Lebens sind nicht wir selbst. Das zu glauben, zu erhoffen und spüren zu dürfen, entlastet, befreit – schenkt einen Vorgeschmack von Erlösung. »Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.« – Und Josef lebte sein Leben eines Ehemannes, eines Vaters und Zimmermanns, wie man es von ihm erwartete. Und doch wusste er sehr wohl um das Mehr seines Lebens, um jene Verheißung, die alles veränderte.

So möge diese Zeit der Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes uns hier und da mal innehalten lassen, um jenen Engeln begegnen zu können, die uns verheißen: Mitten in deinem Leben ist Gott mit dir.