ES IST NICHT GLEICHGÜLTIG, WIE ICH ALS CHRIST LEBE

Predigtgedanken zum 13. Sonntag im Jahreskreis / 4. Sonntag nach Trinitatis: Mt 10:37-42, 2. Kön 4:8-11.14-16a, Röm 6:3-4,8-11)

DIE GLEICHGÜLTIGKEIT UND IHRE GRENZEN

Die Christen sind aufgerufen gegen die “Vorherrschaft des Relativismus” in der Gesellschaft anzugehen. Der Experte einer italienischen Zeitung glaubt, dass Italien und seine wiedererstarkte Kirche als Vorreiter im Einsatz gegen den Relativismus steht”. So habe ich es vor einigen Tagen in der „L`Osservatore Romano“ gelesen. Relativismus – dieses Wort bedeutet Gleichgültigkeit. Alles soll erlaubt sein. Man soll leben wie man mag. Jede Lebenseinstellung, jede Meinung zu jedem Thema, jede Form soll die gleiche Gültigkeit haben. Es gibt Bereiche, wo diese Toleranz gut ist. Die Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, sind vielfältiger geworden. Es gibt aber auch Bereiche und Fragen, da bezweifle ich diese Gleichgültigkeit, diesen Relativismus.

Ist es gleichgültig, ob ich sonntags zur Kirche gehe und versuche, Jesu Wort zu bezeugen oder nicht? Ist es gleichgültig, ob Kinder abgetrieben werden oder ob ihnen das Leben geschenkt wird? Darf der Mensch alles, was ihm möglich ist.

Dürfen wir als Menschheit Leben im Reagenzglas erzeugen, dürfen wir Menschen klonen, Menschen züchten? Darf jeder eine andere Identität annehmen, sich ein Mann als Frau verkleiden und sich als eine solche ausgeben? Darf man sich heute als Straßenköter und morgen als Verkehrsschild definieren. Bis vor kurzem galt das noch als ein Fall für die Psychatrie.

Ich spüre bei diesen Fragen: die Gleichgültigkeit stößt an ihre Grenzen. Der Relativismus schadet auf Dauer der Gesellschaft, der Kirche und der Welt eher als dass er nutzt.

IHM GEHÖRT DER ERSTE PLATZ

Wäre alles gleichgültig, läge unser Heil in diesem Relativismus, dann – so glaube ich – hätte Jesus auch nicht auf die Welt kommen brauchen. Jesus hätte sich sein Leiden für uns ersparen können. Dem ist aber nicht so. Das zeigen ganz besonders seine Worte im Evangelium. Wer Ihm nachfolgt, wer sich zu Ihm bekennt, darf nicht mehr oberflächlich leben, so wie er mag. Wer Christ sein will, an dem werden auch Anforderungen gestellt. Die haben es in sich! Ich will mich nicht an ihnen vorbei mogeln! Darum schaue ich mir seine Forderungen einmal genau an. Dabei dürfen wir ihn nicht missverstehen. Jesus sagt uns nicht, dass wir unsere Eltern oder unsere Kinder gar nicht lieben sollen. Wir sollen sie nur nicht mehr lieben als ihn.

Wir sind als Christen berufen, IHM den ersten Platz in unserem Leben geben.

Seine Worte, seine Taten, die Freundschaft und die Beziehung mit IHM, die sind das wichtigste in unserem Leben. Alles andere, unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen, unser Verhalten im Beruf, unsere Einstellung zu Besitz und zum Leben wird von dieser Beziehung bestimmt werden.

                                                                                       DIE GOTTESLIEBE IST DER MASSSTAB

Wie oft aber geben wir bestimmten Menschen den ersten Platz in unserem Leben.

Damit aber geben wir Menschen die Herrschaft über unser Leben. Innere Abhängigkeit von Mitmenschen, ganz besonders von den Eltern ist im Erwachsenenalter nie gut. Wer sich von seinen Eltern abhängig macht – sie mehr liebt als Jesus – kann daran gehindert werden, den eigenen Lebensweg zu gehen.

Mt 13,57: Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie.

Er kann gehindert werden, seine Berufung zu leben. Ordensleute und Priester erzählen immer wieder, welche Widerstände auch von den Eltern gekommen sind und erst nach langer Zeit überwunden wurden.

Jesus nennt aber auch den Fall, dass Eltern ihre Kinder mehr lieben als IHN. Da regen sich sicher Widerstände bei vielen Eltern. Wer aber Jesus, wer Gott noch mehr liebt als die Kinder, wird auch die Kinder in der richtigen Weise lieben können. Ich soll meine Kinder nicht im Stich lassen. Sie sind aber nicht mein Besitz. Gott hat sie mir geschenkt und mir anvertraut. Meine Aufgabe ist es, ihnen zu helfen, ihre Anlagen und Fähigkeiten, die Gott den Kindern geschenkt hat, zu entfalten. Auch darf ich weder Kinder noch einen Mitmenschen oder Werte wie Erfolg oder Besitz vergöttern.

Was ist also der Maßstab für mein Verhalten gegenüber den Mitmenschen: Es ist die Liebe zu Gott. Die steht an erster Stelle. Die Liebe zu Gott wird uns von einem falsch verstandenen Relativismus heilen. Denn bei Gott ist eben nicht alles gleichgültig, relativ. Vielmehr wird jemand, der eine echte Liebe zu Gott spürt das für wichtig und richtig erachten, was für Gott wichtig ist. Für Gott ist eben wichtig die Liebe zu den Mitmenschen, die Liebe zu den Geringsten, für Gott ist wichtig die Gerechtigkeit.

JA SAGEN ZU DEN ANFORDERUNGEN JESU

Wenn ich versuche, danach zu leben, dann kann die Liebe zu Gott auch dazu führen, dass wir von anderen nicht verstanden werden. Jesus hat uns das vorgelebt. Aber er hat es auf sich genommen, dass Menschen ihn nicht richtig verstanden haben. Mit seinen Worten hat er ihr Leben oft in Frage gestellt. Er hat es auf sich genommen, von vielen Menschen auch verlassen zu werden. Er hat es auf sich genommen, angeklagt und zum Tod am Kreuz verurteilt zu werden.

Kreuztragen – das heißt sicher auch ja zu sagen zu seinen Schwierigkeiten, zu Krankheit und Leiden. Dann heißt es sicher, dass ich nicht vor meinen Schwierigkeiten und Problemen davon laufe. Kreuztragen kann aber auch heißen, von anderen wegen meines Glaubens abgelehnt zu werden. Ich muss Nachteile auf mich nehmen wie Verzicht auf Karriere, wie Verzicht auf Ansehen. Wenn ich das erfahre, ist meine Liebe zu Gott herausgefordert. Dann kann ich ein Zeuge sein für Jesus Christus.

Jesus lädt uns alle ein, ihm zu folgen. Ihm ist es aber nicht egal, nicht gleichgültig, wie wir dann leben. Ihm ist es nicht gleichgültig, ob wir ihm den ersten Platz geben, ob wir zu ihm stehen, ihn bezeugen oder ob er neben vielen anderen Facetten nur eine Facette unseres Lebens ist. Er stellt auch Anforderungen. Sich für IHN entscheiden, bedeutet Ja zu sagen zu seinen Anforderungen.

ALS NEUE MENSCHEN SOLLEN WIR LEBEN

Wer sich taufen lässt, soll bereit sein, als Christ zu leben, so wie es Paulus im Brief an die Römer sagt: “… so sollen auch wir als neue Menschen leben.” Weiter schreibt der Apostel Paulus: “So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.” Dazu lädt uns Jesus mit seinen Worten ein “Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer es um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.”

Ohne ihn laufen wir doch Gefahr, uns selbst zu zerstören, uns selbst ins Unglück zu stürzen. Der Unglaube oder der Wunsch von Gott unabhängig zu sein, der kann auch zur Gleichgültigkeit führen. Was hat es denn für einen Sinn, sich für Werte wie Gerechtigkeit, Friede, Teilen, Freundschaft, für Liebe einzusetzen und sie zu leben.

Wenn ich meine Mitmenschen vergöttere, wenn ich meinen Besitz zu Gott mache, dann mache ich mich abhängig, unfrei. Ich glaube zwar, ein erfülltes Leben zu gewinnen, wenn ich alles für eine Karriere tue, oder alles für Besitz. Aber, wenn es mich zu sehr beherrscht und ich für nichts anderes mehr lebe, dann lebe ich am Sinn meines Lebens vorbei. Wenn ich mich an Jesus orientiere, wenn ich IHN an die erste Stelle setze, dann kann ich frei werden vom krampfhaften Streben nach Besitz und Karriere.

AUF DAS “WIE” KOMMT ES AN

Jesus lädt mich ein, mein Leben einzusetzen, für andere zu leben. Wenn ich auf diese Weise mein Leben, das nur auf sich selbst schaut, verliere, dann gewinne ich ein echtes erfülltes Leben, das bereit ist, für andere da zu sein, sich einzusetzen für Werte wie Gerechtigkeit.

Wer an Jesus glaubt, wer in unserer Zeit IHM nachfolgen will, der sucht in allen Fragen und Lebenseinstellungen nach dem Willen Gottes! Eine sehr wichtige Hilfe ist die Bibel, Gottes Wort. Eine andere Fragestellung kann sein: was dient dem Mitmenschen, was dient der Welt, nicht: was dient dem Profit einiger weniger. Es ist nötig, gemeinsam ehrlich nach Lösungen zu suchen, im Hören aufeinander.

Es ist nicht einfach, als Christ in der Welt zu leben. Es ist vor allem nicht gleichgültig, wie ich als Christ lebe!

Seneschall Matthias David